RegioMahl: Imkerei Fesl

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16.06.2015
Grafenau, Haus i. Wald
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Im Laufe eines Jahres sammelt ein Bienenvolk etwa 35 kg Blütenstaub. Damit ernährt es Larven und junge Bienen. Daran lässt sich schon die umfangreiche Bestäubungsleistung der Bienen erkennen, die beim Sammeln von Nektar entsteht. Denn mit dem an ihrem Körper anhaftenden Blütenstaub befruchten sie beim nächsten Besuch eine andere Blüte. Und so können wir uns im Sommer über Erdbeeren und Kirschen, im Herbst über Birnen, Pflaumen und Äpfel freuen. Der durch Bienen ermöglichte Obstertrag übertrifft im Wert den geernteten Honig übrigens um das Zehnfache. Ganz zu schweigen vom Wert der Bestäubung für Saatkulturen, Futterpflanzen und Wildpflanzen, die unsere bunte Kulturlandschaft so ausmachen.

Dass die professionell betriebene Imkerei weit mehr ausmacht als das Ernten von Honig und anderen Produkten wie beispielsweise Propolis, Bienenbrot (fermentierter Blütenpollen) oder Bienenwachs, das erklärt Imker Hannes Fesl im Interview mit WAIDLER.COM.

 

Was ist, Ihrer Meinung nach, die wesentliche Aufgabe eines Imkers, Herr Fesl?

Ich sehe meine wesentliche Aufgabe darin, ein Bienenvolk zu steuern. D. h. das Volk zu unterstützen, dass es überlebensfähig, leistungsstark und vor allem gesund bleibt. Dazu zählt, den Befall durch die Varroa-Milbe mit verschiedensten Methoden zu reduzieren, einen in sich geschlossenen Wachskreislauf (kein Zukauf von evtl. durch Schadstoffe belastetem Wachs) aufrecht zu erhalten, den natürlichen Schwarmtrieb zu kontrollieren und die Volksstärke zu optimieren. Prinzipiell geht es um die Gesunderhaltung des Bienenvolkes. Denn ist das Volk gesund, ist auch der Ertrag für den Imker gesichert.

 Der Bienenstand von Hannes Fesl in Haus im Wald.

 

Wobei das Schwärmen ja etwas ganz Natürliches ist. Gerade in den letzten Wochen konnte man immer wieder beobachten, dass in einem Baum oder sonst wo ein Schwarm hing. Warum schwärmen Bienen eigentlich?

Ein Bienenvolk schwärmt aus (also teilt sich), entweder weil die aktuelle Königin schon zu alt ist – also das bedeutet meistens älter als drei Jahre – oder weil das Volk insgesamt zu stark geworden ist und folglich das Platzangebot in dem Bienenkasten zu gering für das Volk ist. In einem Bienenstock, in den Brutwaben ziehen die Bienen daher neue Königinnen in den sogenannten Weiselzellen auf. In beiden Fällen muss die alte Königin das traute Heim verlassen. Allerdings nicht, ohne dass sie dabei ein Drittel ihrer Gefolgschaft mitnimmt und einen erheblichen Teil des eingelagerten Honigs.

 

Und wie vermeidet man nun das Schwärmen eines Volkes?

Indem ich als Imker durch die Markierung (farbiger Punkt oder aufgebrachtes Plättchen) der Königin auf dem Rücken weiß, wie alt diese ist. Ist die Königin bereits am Ende ihrer Leistungsfähigkeit, und das Bienenvolk versucht daher sich zu teilen, steuere ich dem entgegen, indem ich die „alte“ Königin gegen eine „neue“ leistungsfähige Königin ersetze. Ist sie noch jung und leistungsstark, entnehme ich dem Bienenkasten ein bis drei vollbesetzte Brutwaben, also etwa 5.000-15.000 Bienen. Dadurch verringert sich die Bienenmasse, der Schwarmtrieb ist unterbunden. Oder ich entferne die Brutwaben mit Weiselzellen und bilde daraus einen Ableger (kleines Jungvolk – vergleichbar mit einem natürlichen Schwarm, jedoch vom Imker gezielt gesteuert). Durch die Reduzierung der Volksstärke ist das Volk nun nicht mehr bestrebt, sich zu teilen, und der Imker kann mit einem „vollwertigen“ Volk wirtschaften.

 

Was passiert mit den entnommenen Bienen?

 

Mit diesen und noch etwa fünf bis sechs weiteren vollbesetzten Brutwaben bilde ich einen Sammelbrutableger. Damit wir auch in Zukunft starke Völker haben, züchten wir Königinnen. Um Völker zu erhalten, die überlebensfähig sind. Denn wir alle brauchen die Bienen. Um Sammerbrutableger zu bilden, sollte man aber mindestens 10 Bienenvölker besitzen. Die so zusammen gebrachten Bienen haben erst mal keine Königin in ihrem neuen Stock. Es ist aber jede Menge verdeckelte Brut, Stifte (frisch gelegte Eier werden bei den Bienen als Stifte bezeichnet), Maden vorhanden. Also beginnen sie, sich eine neue Königin heranzuziehen. Dies geschieht wieder in den Weiselzellen. Diese angehenden Königinnen werden von mir aus dem Stock entfernt. Anschließend stelle ich den Bienen von mir selektierte (nach Eigenschaft des
Herkunftsvolkes) junge Maden für die Aufzucht junger Königinnen bereit. Da die
Bienen ohne mein Zutun nicht in der Lage wären, mit der vorhandenen Brutmasse
junge Königinnen heranzuziehen, nehme diese mein „Angebot“ dankbar an und
pflegen so viele Königinnen wie nur möglich heran. Nach etwa zehn Tagen sind die Zellen verdeckelt. Nach dem Schlüpfen der Königinnen kann ich damit neue Ableger, neue Bienenvölker bilden.

 

Wie kamen Sie persönlich zur Imkerei, Herr Fesl?

Meine Eltern in Jandelsbrunn haben Bienen, seit ich denken kann. Das gehörte früher einfach zur Landwirtschaft dazu. Und schon als Kind haben mich - zunächst mehr als die Bienen - das Basteln in der Werkstatt, die Herstellung von Rahmen und Beuten fasziniert. Und so habe ich dann im Imkerverein in Wollaberg meine Kurse absolviert. Heute betreuen wir 25 Völker in Jandelsbrunn und fünf Völker in Haus im Wald. Das leckere „Nebenprodukt“ unserer Imkerei, den Honig, vermarkten wir privat, jedoch mit dem guten Gewissen, geprüften, nicht vermischten und im Einklang mit den Bienen
erwirtschafteten Honig nach regionaler Verfügbarkeit (Blütenhonig, cremigen Honig bzw. Waldhonig) anzubieten.

 

Hannes Fesl mit seinem persönlichen Waldgold.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

 

 

 


Serie: RegioMahlIn der Serie RegioMahl berichten wir von regionalen, oft landwirtschaftlichen (Familien-)Betrieben, die ihre Höfe und Läden mit viel Herzblut führen.

Quellenangaben

Fotos: Stephen Hahn

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