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19.06.2020
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Auch Bienenvölker brauchen ein Gesundheitszeugnis

Im Rahmen einer Imkereibesichtigung sowie Untersuchungen für das „große Gesundheitszeugnis“ durch die Amtstierärztin Dr. Elisabeth Spindler vom Veterinäramt des Landkreises Freyung-Grafenau ergab sich ein informatives Gespräch mit Jungimker Simon Weber über den Beruf des Imkers.
Es wird stets ein Gesundheitszeugnis durch das Veterinäramt benötigt, wenn ein Bienenvolk oder eine Begattungseinheit den Bienenstand verlässt – sei es zum „Wandern“ an einen anderen Standort oder an eine sogenannte Belegstelle oder auch bei Verkauf eines Ablegers. Der engagierte Jungimker aus Voggenberg/Röhrnbach berichtete in diesem Gespräch ausführlich über Bienenschutz, Aufgaben und Pflichten eines Imkers.
„Imkern, mit all seinen Facetten ist eine Wissenschaft für sich. Es gilt, den Zustand eines Bienenvolkes zu jeder Jahreszeit einschätzen zu können und die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Dabei wird es den Imkern und ihren Bienen allerdings nicht leichtgemacht. Durch intensive Landwirtschaft finden die Bienen am Land oftmals nicht mehr genug Nahrung. Zudem machen Umweltgifte den Bienen zu schaffen. Extreme Wetterlagen nehmen zu und zur richtigen Zeit ist zusätzlich gegen die in den 70er Jahren eingeschleppte Varroamilbe zu behandeln. Vorrangig sollen hier natürliche Mittel, welche unbedenklich für die Bienen und den geernteten Honig sind, eingesetzt werden. Imkern, um etwas gegen das Insektensterben zu tun, ist falsch verstandener Naturschutz. Bienen sind Nutztiere und ein Imker trägt dafür ebenso viel Verantwortung wie ein Bauer für seine Tiere. Trotzdem kann jeder etwas gegen das Bienensterben unternehmen. Ein naturnah gestalteter Garten bietet nicht nur Insekten wertvollen Lebensraum. Hecken mit insektenfreundlichen und möglichst heimischen Gehölzen sorgen ebenfalls für ein breitgefächertes Pollen- und Nektarangebot. Außerdem sollte Honig möglichst regional und zu einem fairen Preis gekauft werden.

Simon Weber bei der Durchsicht der Völker.Simon Weber bei der Durchsicht der Völker.


Auch eine Blühmischung in einem naturnahen Garten ist ein guter Anfang. Nachhaltiger ist allerdings eine extensiv gepflegte Blumenwiese, die sich über viele Jahre hinweg durch richtige Pflege und Nährstoffaustrag entwickelt. Hier können sich eine Vielzahl an heimischen Arten ansiedeln und die Fläche liefert – anders als die meisten Blühmischungen – ganzjährig und jedes Jahr aufs Neue Lebensraum und Nahrung für Insekten und Wiesenbewohner. Aber auch Hecken und Sträucher kann man insektenfreundlich gestalten. Anstatt der für Insekten uninteressanten Forsythie bietet sich die ebenfalls wunderschön blühende Kornelkirsche als bienenfreundliche Alternative an. Informationen dazu findet man mit z. B. im Internet unter www.hortus-insectorum.de.

Um nachhaltig die Wild- und Honigbienenpopulation gesund zu erhalten und wenn man sich nach reichlicher Überlegung dazu entschlossen hat, selbst Bienen zu halten, sollte man zuerst Kontakt mit einem guten Imker in der Nähe aufnehmen. Das allerwichtigste ist eine gute Ausbildung und praktische Anleitung. Man benötigt Zeit, etwas Lagerraum und einige Gerätschaften. Sobald man dann selbst Bienen hat, trägt man die Verantwortung für ein faszinierendes Lebewesen. Die Bienen sollen möglichst naturnah mit wenigen Eingriffen an Standorten mit reichlich Nahrung gehalten werden. Es gibt auch gesetzliche Pflichten zu beachten. Unter anderem ist jedes Bienenvolk bei zuständigen Veterinäramt zu melden, um bei Ausbruch einer meldepflichtigen Bienenseuche, schnell reagieren zu können. Leider sind aber auch in unserem Landkreis viele Völker nicht beim Veterinäramt registriert. Ich kann nur an jeden Imker appellieren, die Meldung der Bienenvölker regelmäßig durchzuführen, um im Seuchenfall eine schnelle Eindämmung zu gewährleisten“, so Simon Weber.

„Aus dieser Wabe schlüpfen in den nächsten Tagen ca. 9.000 junge und gesunde Bienen und bringen schon bald leckeren Waldhonig. So macht Imkern Spaß“ lacht Weber.„Aus dieser Wabe schlüpfen in den nächsten Tagen ca. 9.000 junge und gesunde Bienen und bringen schon bald leckeren Waldhonig. So macht Imkern Spaß“ lacht Weber.


Weitere Informationen für Interessierte finden sich auch auf der Homepage der Imkerei Weber www.imkerei-weber.de. Des Weiteren plant Weber diesen Herbst ein Tagesseminar für Imker mit dem Thema „Angepasster Brutraum“. Der genaue Termin wird beizeiten ebenfalls auf der Homepage bekannt gegeben. Voranmeldungen und Anfragen sind bereits via E-Mail unter info@imkerei-weber.de möglich.

Weitere Seminare mit diversen Themen sind in Zukunft ebenfalls geplant. Seitens des Veterinäramtes Freyung-Grafenau wird ebenfalls nochmals die Wichtigkeit und Pflicht (Bienenseuchen-Verordnung) jeden Imkers betont, seine Bienenvölker beim zuständigen Landratsamt zu melden. Nur so kann im Seuchenfall effektiv gegen eine Weiterverbreitung der entsprechenden Krankheit vorgegangen werden.

Die Meldung ist unkompliziert und kostenlos mit einem Anruf unter Telefon 08551 57-380 oder per E-Mail vetamt@landkreis-frg.de zu erledigen. Ein wichtiger Beitrag eines jeden Imkers zur Gesunderhaltung der gesamten Honigbienenpopulation.


- sb


Landratsamt Freyung-GrafenauFreyung

Quellenangaben

Landratsamt Freyung-Grafenau
Fotos: Simon Weber



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