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09.02.2020
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Informationsveranstaltung des Jugendamts für potentielle Pflegeeltern

„Die vielen schönen Momente mit den Kindern entschädigen für jede Anstrengung, die mit der Aufnahme eines Pflegekindes verbunden ist.“ So resümierten Rosmarie Nirschl und Tanja Rothkopf ihre Erfahrungen als Pflegemütter. Pflegeeltern zu werden, ist eine besondere Herausforderung. Um darüber aufzuklären, was einen da genau erwartet, veranstaltete das Kreisjugendamt des Landkreises Freyung-Grafenau einen Infovormittag zum Pflegekinderwesen. Dabei erhielten die vielen Zuhörer eben nicht nur Informationen von den Jugendamtsmitarbeiterinnen Manuela Schwarz, Sandra Holzbauer und Sandra Süß, sondern auch die beiden langjährigen Pflegemütter teilten ihre Erfahrungen mit den Besuchern. Durch ihre oft humorvollen, manchmal aber auch sehr ernsten Geschichten konnten sie einen authentischen, alltagsnahen und anschaulichen Einblick in ihr Leben als Pflegemütter geben.

Dabei berichteten sie zunächst von der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Standen die beiden Frauen den Mitarbeitern des Amts zunächst skeptisch gegenüber, hat sich bald eine vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit entwickelt. Das Amt stellte sich als zuverlässiger Partner heraus, der den beiden auch heute noch mit Rat und Tat zur Seite steht.

Auch das Verhältnis der Pflegemütter zu den leiblichen Eltern ihrer Pflegekinder kam zur Sprache. Es sei wichtig, dass man diese nicht verurteile. So gäbe es sehr viele unterschiedliche Gründe dafür, dass sich ein Elternteil nicht mehr um seine Kinder kümmern könne. Das Verhältnis zwischen ihnen und der Herkunftsfamilie ihrer Pflegekinder war für die beiden Pflegemütter gerade anfangs schwer. „Die Eltern meiner Pflegekinder waren leider oft unzuverlässig, die Kinder freuten sich trotzdem immer wieder auf die Besuche.

Als sie dann nicht kamen, waren die Kinder enttäuscht und traurig. Das war das Schlimmste für mich“, erzählte Nirschl. Aber es gab in der Beziehung zu den Herkunftseltern auch gute Momente.
Nach ein paar Jahren, so die Pflegemutter, kam der Vater ihrer Pflegekinder auf sie zu und bedankte sich bei ihr dafür, dass sie „den Kindern die nötige Geborgenheit, Fürsorge und Zuneigung gibt“, die er ihnen nicht geben könne. „Das war schon ein sehr schönes Gefühl“, so Nirschl.

Dabei fügten die Jugendamtsmitarbeiterinnen hinzu, dass die Beziehung zwischen den Pflegeeltern und den leiblichen Eltern nicht in jedem Fall schwierig sei. „Das kann man nicht verallgemeinern. Da ist jeder Fall unterschiedlich“, so die Sozialpädagogin Schwarz.

Doch auch die eigene Familie kann manchmal zum Problem werden. „Meine Kleine war zunächst nicht so begeistert, dass da jetzt noch zwei Kinder sind. Als die Große das mitbekommen hat, meinte sie nur, dass sie auch nicht gefragt wurde als die Kleine geboren wurde. Damit war die Sache dann erledigt.“ Auch Frau Rothkopf konnte anfangs noch Rivalitäten zwischen ihren leiblichen Kindern und den Pflegekindern erkennen, jedoch hat sich das schnell gegeben. „Mittlerweile sind sie genauso Geschwister, wie die anderen auch. Da gibt es keine Unterschiede“, so Rothkopf.

„Jederzeit wieder“ würden (von links) Rosmarie Nirschl und Tanja Rothkopf ein Pflegekind aufnehmen, authentisch, alltagsnah und anschaulich schilderten sie ihr Leben als Pflegemütter auf einer Infoveranstaltung des Kreisjugendamtes. Informationen von Seiten des Amtes gab es von Sandra Süß, Manuela Schwarz und Sandra Holzbauer.„Jederzeit wieder“ würden (von links) Rosmarie Nirschl und Tanja Rothkopf ein Pflegekind aufnehmen, authentisch, alltagsnah und anschaulich schilderten sie ihr Leben als Pflegemütter auf einer Infoveranstaltung des Kreisjugendamtes. Informationen von Seiten des Amtes gab es von Sandra Süß, Manuela Schwarz und Sandra Holzbauer.


Ein weiterer großer Punkt, mit dem sich potentielle Pflegeeltern beschäftigen sollten, ist die Möglichkeit einer Rückführung der Pflegekinder in die Ursprungsfamilie. Hat sich in den Herkunftsfamilien die Situation wieder verbessert, können Kinder wieder zu ihren leiblichen Eltern zurück. Theoretisch kann dies auch noch nach Jahren passieren. „Bei den Entscheidungen über Rückführungen – genauso wie bei allen anderen Entscheidungen auch – hat das Wohl der Kinder immer oberste Priorität“, erklärte die Jugendamtsmitarbeiterin Holzbauer.

Nach diesen schweren Themen, wurden die beiden Pflegemütter gefragt, ob sie sich trotz aller Herausforderungen wieder für eine Pflegeelternschaft entscheiden würden. „Jederzeit“, antworteten beide einstimmig. So bereuen sie ihre Entscheidung keine Sekunde, denn die vielen schönen Momente mit den Kindern entschädigen für jede Anstrengung, die mit der Aufnahme eines Pflegekindes verbunden ist.

Außerdem versicherten beide, dass die Herausforderungen und Schwierigkeiten - ob bürokratisch oder familiär - mit der Zeit abnehmen.

Nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung hatten alle Interessenten noch die Gelegenheit sich mit den Mitarbeiterinnen des Jugendamts und den beiden Pflegemüttern bei Kaffee oder Tee auszutauschen und weitere Fragen zu stellen.

Wer sich für das Thema Pflegeelternschaft interessiert, kann sich jederzeit und ganz unverbindlich an das Kreisjugendamt wenden unter den Telefonnummern 08551/57-164 oder 57-317. Weitere Informationen finden sich außerdem auf der Homepage des Landratsamtes Freyung-Grafenau unter:
https://www.freyung-grafenau.de/gesundheit-und-soziales/kinder-und-jugend/pflegekinderwesen/.


- sb


Landratsamt Freyung-GrafenauLandratsamt | Freyung

Quellenangaben

Landratsamt Freyung-Grafenau



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