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02.11.2019
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Fachkräftezuwanderung praxisnah gestalten

Eine hohe Beschäftigungsquote, erfolgreiche Unternehmen, eine Wirtschaftsstruktur mit engen Verflechtungen in andere Regionen, und das alles eingebettet in eine attraktive und lebenswerte Region – der Wirtschaftsraum Freyung-Grafenau kann mit vielem punkten. Jedoch kann sich der Landkreis nicht von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln. Die Zeichen stehen auch hier auf Abschwung. Trotzdem: Der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel bleibt für die Unternehmen in der Region dabei ein großes Problem, das wurde bei der Herbstsitzung des IHK-Gremiums vergangene Woche in Deching deutlich. Die regionalen Unternehmer um die Gremiumsvorsitzende und IHK-Vizepräsidentin Elisabeth Hintermann trafen sich dafür bei ihrem Gremiumskollegen Norbert Peter, dem Leiter des Bachl-Betonwerks. Er ermöglichte der Gruppe rund um die Sitzung eine exklusive Führung durch das Werk.

IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner stellte dem Gremium Auswertungen und Daten der IHK vor, die die Herausforderungen der Wirtschaft deutlich belegen. Ein Grund für die vergleichsweise düsteren Aussichten für die Zukunft – bei einer gleichzeitig überwiegend guten Lagebeurteilung – sei eine Schwäche der Industrie, insbesondere im Automobilbereich. Mit Blick auf den Wandel der Mobilität sagte Schreiner: „Zusätzlich zur konjunkturellen Lage haben wir jetzt auch strukturelle Probleme.“ 57 Prozent aller Unternehmen werteten demnach in IHK-Umfragen die Probleme in der Automobilwirtschaft als Geschäftsrisiko. Die Auswirkungen reichten dabei weit über den Zuliefererbereich hinaus. Der IHK-Chef bekräftigte gleichzeitig: „Wenn es um Wachstum geht, bleiben die Fachkräfte das große Problem.“ Als eine Möglichkeit, dem entgegenzutreten, nannte Schreiner die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland und verwies auf eine kommende gesetzliche Regelung dazu. Allerdings: „Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz geht zwar in die richtige Richtung, baut aber noch zu viele Hürden auf.“ Die Rückmeldungen aus dem Gremium bestätigten diesen Befund. Beklagt wurden Detailregelungen, die an den Anforderungen in den Betrieben vorbei gingen, etwa bei der Beurteilung der Gleichwertigkeit von Berufsabschlüssen aus dem Ausland. Die Vorsitzende Hintermann brachte es auf den Punkt: „Beim Fachkräfteeinwanderungsgesetz brauchen wir flexible Regelungen durch die Politik, um diesen guten Ansatz in der unternehmerischen Praxis auch nutzen zu können. Was eine Fachkraft ist, das definiert der Betrieb.“

Unterwegs im Betonwerk: Gäste der Sitzung und Mitglieder des IHK-Gremiums um die Vorsitzende Elisabeth Hintermann (8. von links) und ihre beiden Stellvertreter, Johannes Huber und Norbert Peter (vorne neben ihr von links)Unterwegs im Betonwerk: Gäste der Sitzung und Mitglieder des IHK-Gremiums um die Vorsitzende Elisabeth Hintermann (8. von links) und ihre beiden Stellvertreter, Johannes Huber und Norbert Peter (vorne neben ihr von links)


Welche Möglichkeiten der heimische Arbeitsmarkt hingegen – noch – bietet, beleuchtete in der Sitzung Johann Haugeneder, Geschäftsführer des zuständigen Jobcenters. In den vergangenen Jahren hätten im Landkreis besonders Ältere und Frauen zusätzlich an Beschäftigung gewonnen, berichtete Haugeneder, „und das auch in Beschäftigungsmöglichkeiten im Landkreis selbst“. Er warb dafür, trotz einer sehr niedrigen Arbeitslosenquote von 1,9 Prozent das heimische Potenzial zu nutzen und den „Kunden“ des Jobcenters eine Chance zu geben. Eine andere Herangehensweise stellte Johannes Gastinger vor, Wirtschaftsförderer im Landkreis Freyung-Grafenau. Er zeigte beispielsweise, wie mit Projekten und Initiativen der Wirtschaftsförderung Schüler aller Schularten an die vielfältigen Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten in der heimischen Wirtschaft herangeführt werden. Eine weitere Möglichkeit: mit gezielter Imagewerbung hochqualifizierte Fachkräfte, deren Weg etwa in die Metropolregionen geführt hatte, wieder zurück in die Heimat bringen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Wirtschaftsförderer selbst, der nach mehreren Jahren Tätigkeit in München für seine jetzige Tätigkeit wieder in den Heimatlandkreis zurückgekehrt ist.


- sb |


IHK für Niederbayern in PassauBeruf, Karriere | Passau

Quellenangaben

IHK für Niederbayern in Passau



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