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02.08.2019
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Von der Natur lernen

Heute möchte ich Ihnen ein Projekt des Nationalparks Bayerischer Wald vorstellen, das mir in diesem Zusammenhang sehr am Herzen liegt. Ich bin mittlerweile seit zehn Jahren Waldführerin im Nationalpark Bayerischer Wald. Seit etwa vier Jahren arbeite ich in dem festen Team der Waldführer, die monatlich umliegende Kindergärten betreuen. Im Rahmen dieses Programms, das von der Nationalparkverwaltung ins Leben gerufen wurde, kommen die Kindergartenkinder einmal im Monat zu uns rund um das Hans-Eisenmann-Haus nach Neuschönau. In kleinen Gruppen werden jedes Mal neue Tiere besprochen, die bei uns heimisch sind, und natürlich geht es auch darum, den Kindern Wissen über den Nationalpark zu vermitteln.

Es ist schön, in die strahlenden Kinderaugen zu blicken, wenn sie die von uns mitgebachten Dinge ertasten oder auch suchen sollen. Das kann ein Luchsfell sein, eine Becherlupe oder Blätter und Nadeln der Bäume. Wer wird als erster fündig? Oder wer erkennt zuerst, was im Fühlsäckchen versteckt ist?
Gerade in unserer hektischen Zeit mit viel Technik und ständigem Fortschritt ist es wichtig, den Kindern auch unsere schöne und vor allem ruhige Natur zu vermitteln.

 

 

Auch eine "Freundin" wartet hier immer im Wald auf uns, und zwar die "alte Anna". Sie ist nicht nur ein Baum, den wir jedes Mal besuchen. Sie ist schon eine gute Freundin geworden, die erst einmal mit einer großen Umarmung begrüßt wird. Ebenso werden ihr so manche Erlebnisse, Wehwechen und auch Geheimnisse anvertraut. So sagte ein Kind sogar: „Anna ist nicht nur ein Baum!“.

 


Es macht Spaß, den Kindern neues beizubringen. Das finden auch meine beiden Kolleginnen Monika Deuschinger und Ramona Kesten.

Sie sind beide seit acht Jahren Waldführer und betreuen das Projekt von Kindesbeinen an.

„Kinder gehen mit ganz anderen Augen durch die Welt. Sie sehen noch die kleinen Naturwunder, zum Beispiel die kleinen Härchen an frischen Buchenblättern, unterschiedliche Grüntöne oder auch klitzekleine Spinnfäden, das fasziniert mich so“, erklärt Ramona.

“Jede Führung ist einzigartig, weil es trotz Konzept oft ganz anders läuft, wie geplant. Auf die Kinder eingehen und ihnen beistehen, wenn es ihnen nicht so gut geht, sie zum Beispiel Sehnsucht nach den Eltern haben oder sie frieren, ist eine große Herausforderung, die aber viel Spaß macht. Kinder schenken der Natur und auch mir ihre Zuneigung und sind ganz offen und ehrlich“, erweitert Monika ihre Erlebnisse mit den Kindergartenkindern.

 

 

Tolle und auch lustige Erlebnisse gibt es viele - auch für uns als Begleiterinnen. So erzählt Ramona: „Bei einer Führung zum Thema Wasser haben wir einen Bergmolch entdeckt. Keines der Kinder kannte das Tier. Verschiedenste Vorschläge gingen ein wie etwa Schlange, Frosch, oder Eidechse. Nach einiger Zeit sagte ein Kind aus tiefstem Herzen: Dann kann es nur ein Dinosaurier sein. Da muss man dann herzlich lachen.“

Die Führungen mit Kindern geben uns Erwachsenen sehr viel. Es wäre schön, wenn Erwachsene auch noch so unbeschwert durch die Natur gehen könnten mit einem Blick für die Kleinigkeiten und Besonderheiten, die man im Wald so begegnet.

Für uns ist es am schönsten, wenn die Kinder begeistert nach Hause gehen. Es kommt so viel von ihnen zurück und es macht wahnsinnig Spaß, sie auf ihrem Lebensweg einmal im Monat ein kleines Stückchen zu begleiten.

 

Doch eine gute Führung muss immer auch vorbereitet und geplant werden. Dies macht Nicole Graf-Kilger, Mitarbeiterin des Nationalparks Bayerischer Wald in der Umweltbildung, zusammen mit einer Teilnehmerin des freiwilligen ökologischen Jahres. Beide organisieren die Führungen und schreiben auch Konzepte dafür.

 

Anfang des neuen Kindergartenjahres kommt eine Broschüre heraus, in der alle neun Kindergarten-Programme vorgestellt werden, wie „Komische Käuze – Ins Reich der Eulen“ oder „Mit den Moor-Zwergen unterwegs“. Die Broschüre dient als Service für die Erzieherinnen. Darin enthalten sind auch alle Ansprechpartner, außerdem werden die Besuchereinrichtungen des Nationalparks beschrieben. Verteilt wird die Broschüre in allen Kindergärten in den Landkreisen Freyung-Grafenau, Regen und Passau.

 

Laut Dr. Franz Leibl, Leiter des Nationalparks, sind Erlebnisse in der Natur für die frühkindliche Entwicklung von großer Bedeutung. „1200 Kindergartenkinder besuchen jährlich unser Programm für Kinder im Vorschulalter. Acht Kindergärten kommen regelmäßig einmal im Monat zu uns“, so Leibl. Die Natur wird dabei zu einem Bildungsort, der Eigenaktivität und Achtsamkeit weckt.

 

 

 


- cg


Nationalparkverwaltung Bayerischer WaldBehörden | Grafenau

Quellenangaben

Text: Christina Graf
Fotos: Annette Nigl / Nationalpark Bayerischer Wald
Foto Baum: Christina Graf



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