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30.09.2018
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Andere Sprache, andere Kultur: Ausländische Arbeitskräfte integrieren - geht das?

Was empfinden Geflüchtete unterschiedlicher Nationen als „typisch deutsch“? Darf man einer Studie des „Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ glauben, so ist „typisch deutsch“ ein fester Arbeitsplatz, der nicht nur das tägliche Brot auf den Tisch bringt, sondern eine gesicherte Zukunft ermöglicht. Gänzlich abseits des öffentlichen Bewusstseins leisten, so IQ-Netzwerkmanagerin Eva Meidinger von der Kreisentwicklungsgesellschaft ARBERLAND REGio GmbH, viele deutsche Unternehmen Basisarbeit in Sachen Integration und gelebte Willkommenskultur. Zu ihnen gehört auch die „Schreinerei - Innenausbau“ Stefan Peter.

Gegründet 1977 von Paul Peter in Geiersthal wurde das Unternehmen bis 2002 als Zwei-Mann-Betrieb geführt. Einen Wendepunkt in der Firmengeschichte markierte die Übergabe an Sohn Stefan: Durch die Umsiedelung nach Viechtach, die Anschaffung einer CNC-Fräse und den Aufbau eines kleinen Netzwerks mit Schreinern aus der Region ließ sich ein hochdotierter Auftrag für Schienenfahrzeug-Einrichtungsteile so hervorragend erfüllen, dass Folgeaufträge die rund 30 Mitarbeiter bis heute beschäftigen. Seit August 2017 ist auch Youssef, genannt „Sepp“, Alhalabi  offiziell Teil der Belegschaft.

„Youssef war zuvor als Praktikant bei uns“, erinnert sich Stefan Peter. „An seinem vierten Tag kamen meine Mitarbeiter auf mich zu und meinten, dass man ihn auf der Stelle einstellen müsse.“ Nicht weiter verwunderlich. Neben Motivation und Fleiß brachte der 24-Jährige eine große Portion praktischen Wissens mit an den neuen Arbeitsplatz: „Vor meiner Flucht war ich drei Jahre lang in einer großen Schreinerei nahe Damaskus“, erzählt er. „Weil ich auch in Deutschland mit Holz arbeiten wollte, hat mir eine nette Familie aus Rattenberg geholfen, bei Schreinereien im Landkreis Regen vorstellig zu werden.“

Youssef "Sepp" Alhalabi und Stefan Peter
Youssef "Sepp" Alhalabi und Stefan Peter


Obwohl sich Stefan Peter als „sozial eingestellt“ betrachtet, musste Youssef bestimmte Grundbedingungen erfüllen: „Wir hatten das Glück, dass er schnell und gerne lernt und deshalb schon sehr gut deutsch spricht“, meint der Chef. „Wenn die Sprachbarriere Arbeitsanweisungen und Kundenkommunikation unmöglich macht, dann hilft es beim besten Willen nicht. Obwohl man sich den Schreiner von heute nicht mehr wie Meister Eder an der Hobelbank vorstellen darf, betreuen wir nach wie vor auch Privatkunden.“ Ein weiteres Kriterium war der Status als anerkannter Geflüchteter. „Ich möchte niemals erleben müssen, dass ein Mitarbeiter während unseres Beschäftigungsverhältnisses abgeschoben wird - aus unternehmerischer und vor allem auch aus persönlicher Sicht nicht.“ Und dann ist da die Sache mit der Gleichstellung: „In meiner Firma gibt es einen hohen Frauenanteil - auch in der Fertigung. Da ist es mir wichtig, dass keine Geschlechterunterschiede gemacht werden und man freundlich, respekt- und rücksichtsvoll miteinander umgeht.“ Mit Youssef habe es hier allerdings nie Schwierigkeiten gegeben, „obwohl er schon erst einmal geschaut hat, wie die Damen da im LKW sitzen und die schweren Maschinen bedienen.“

Der junge Mann selbst fühlt sich sehr wohl im Unternehmen. Besonderen Spaß hat er auf den Baustellen, wo „immer etwas los“ ist und beim gemeinsamen Plausch mit den Kollegen. Nach anerkanntem Führerschein greift ihm Peter nun mit einem Fahrzeug unter die Arme, das über die Firma geleast wird. Und noch mehr: Aufgrund der durchweg positiven Erfahrungen soll die Belegschaft künftig durch den syrischen Azubi Diaa erweitert werden. „Ich würde jedem Chef raten, erst einmal ein Praktikum absolvieren zu lassen und danach zu entscheiden, ob sich der potenzielle neue Mitarbeiter gut ins Team einfügt. Im besten Fall geht es einem wie uns mit dem Sepp und man erhält nicht nur eine Fachkraft, sondern eine menschliche Bereicherung für die Firma.“


- sb

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ARBERLAND REGio GmbHRegen

Quellenangaben

ARBERLAND REGio GmbH



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