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31.10.2017
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Heimat-Verein: Rosserer Stammtisch, Schönberg

Reiterprozessionen haben eine lange Tradition und sind besonders im katholischen Glauben tief verankert im kirchlichen Jahreskalender. Georgiritt, Leonhardiritt, Osterritt oder der Kötztinger Pfingstritt sind nur einige wenige Bespiele für gelebtes Christentum. Auch der Rosserer Stammtisch Schönberg verdankt seine Entstehung diesen Prozessionen, wie Ehrenvorstand Xaver Perl im Interview mit WAIDLER.COM berichtet.

 

Herr Perl, an welchen Prozessionen nehmen die Mitglieder des Rosserer Stammtisches teil?

Traditionell nehmen wir am Erntedankzug in Schönberg teil. Dieser findet jedes Jahr am Erntedank-Sonntag statt, das ist jeweils der erste Sonntag nach Michaeli am 29. September. Die Prozession führt durch den Markt, die Zuschauer erfreuen sich an den aufwändig und prächtig geschmückten Erntekrone-, Jahreszeiten- und Früchtewagen. Und dann veranstalten wir unseren jährlichen Palmritt nach Kirchberg, an dem zwei geschmückte Kutschen und zahlreiche Reiter teilnehmen.

 

Erster Erntedankwagen 1986 mit Pony Heidi

 

Wie kam es dazu, den Rosserer Stammtisch ins Leben zu rufen? Gab es einen konkreten Anlass für seine Entstehung?

Der Ausgangspunkt war sicher der 18. April 1982, der siebte Geburtstag meiner Tochter. Sie bekam damals von uns ein Pony geschenkt. Seitdem haben wir regelmäßig an Prozessionen teilgenommen, wie etwa dem Osterritt in Regen oder auch den Leonhardiritten in Kellberg und Waldkirchen. Gemeinsam mit Konrad Zechmann, der mit seinem Haflinger an den Prozessionen teilnahm, begann ich zu überlegen, ob wir nicht auch in Schönberg eine ähnliche Veranstaltung organisieren könnten. Ich bin dann einige Leute abgefahren, die Rösser hatten, und habe versucht, sie von der Idee zu begeistern. Zusammen mit dem Trachtenverein und der Werbegemeinschaft Schönberg konnten wir dann 1988 den ersten gemeinsamen Erntedankzug mit verschiedenen Wagen auf die Beine stellen. Jetzt hatten wir eine Veranstaltung für die Fuhrleute, wir wollten aber auch etwas für die Reiter. Da kam Klaus Uhrmann die Idee mit dem Palmritt nach Kirchberg, den wir bereits 1989 zum ersten Mal durchführten.

 

Ihren Stammtisch gibt es seit 1988, nächstes Jahr feiern Sie Ihr 30-jähriges Bestehen.

Der Rosserer Stammtisch ist aus den monatlichen Treffen zur Vorbereitung des Erntedankzuges entstanden. 26 Jahre lang war ich dessen Sprecher, jetzt bin ich Ehrenvorstand. Aktueller Vorstand ist Erich Roth. Wir treffen uns immer am zweiten Freitag im Monat im Wirtshaus Quetsch. Wir haben etwa 25 Mitglieder und so 40 bis 45 Rösser - Kaltblüter, Haflinger, Ponys. Intern veranstalten wir jedes Jahr eine Maiandacht und unternehmen eine Wanderfahrt mit Kutschen.

Früchtewagen

 

Woher stammen die Wagen für den Erntedankzug, die Kutschen beim Palmritt?

Die stammen größtenteils aus landwirtschaftlichem Altbestand. Das sind alte Leiterwagen mit Holzrädern oder Gummiwagen. Das waren früher die Universalanhänger schlechthin, mit denen hatte man alles Mögliche transportiert. Die Kutschen sind meistens umgebaute Gummiwagen mit Bänken.

Xaver Perl mit seinen Ponys

 

Mein Erntedankwagen ist ein altes Handwagerl, mit dem der Onkel das Heu heimgebracht hat. Den hat er sich selbst gebaut damals. Dann hat er ihn mir vermacht, weil er wusste, dass ich ihn in Ehren halten werde. Ich habe ihn dann so umgebaut, dass man Pferde anspannen kann. Auch meine Kutsche habe ich selbst gebaut. Da stecken viele, viele Arbeitsstunden und viel Hirnschmalz drin. Das Gefährt muss zur Größe der Ponys passen, zur Größe der Mitfahrer, die Ponys müssen das Gewicht ziehen können. Auf ihr haben vier Personen Platz, sie ist gefedert und hat an jeder Achse eine Bremse. Als gelernter Metzger weiß man sich halt zu helfen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.


- SH

Rosserer-StammtischGrafenhütt

Quellenangaben

Fotos: Xaver Perl, Stephen Hahn



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