Mauerfuchs, Himmelblauer Bläuling oder Kleiner Feuerfalter: Für viele Menschen sind Schmetterlinge ein schöner Farbtupfer am Wegesrand. Doch ihre Anwesenheit ist alles andere als zufällig. Tagfalter gelten als sensible Botschafter der Biodiversität. Ihr Verschwinden sagt viel über den Zustand einer Landschaft aus.
Genau hier setzt der bayerische Naturschutzverband LBV an. In enger Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz e. V. intensiviert der LBV das seit mehr als 20 Jahren bestehende Tagfalter-Monitoring Deutschland in Bayern. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Einbindung von Hochschulen.
Gemeinsam mit LBV-Hochschulgruppen sollen frühere Beobachtungsstrecken wiederbelebt und neue aufgebaut werden. Schmetterlinge zeigen sehr direkt, wie es Wiesen und Feldern geht. Wenn bestimmte Arten verschwinden, ist das ein deutliches Warnsignal. Deshalb sind die Daten aus dem Monitoring für Forschung und Naturschutz besonders wichtig.

Himmelblauer Bläuling auf einer Wiese.
Seit mehr als 20 Jahren sind engagierte Bürgerinnen und Bürger in ganz Deutschland ehrenamtlich unterwegs, um die Vorkommen tagaktiver Falter zu erfassen. Das Tagfalter-Monitoring Deutschland wurde 2005 von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und Mitgliedern der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz ins Leben gerufen. Seitdem liefert es wertvolle Informationen über die Schmetterlingswelt sowie darüber, wie Landnutzung und Klimawandel den Zustand der Natur verändern.
Bayern besitzt eine besonders hohe Vielfalt an Tagfalterarten. Gleichzeitig gibt es noch Lücken in der Datenerhebung. Der LBV möchte das Monitoring deshalb gezielt verdichten und so ein genaueres Bild davon gewinnen, wie sich die Tagfalterpopulationen entwickeln.
Im Mittelpunkt steht dabei auch die nächste Generation von Naturschützerinnen und Naturschützern. Künftig sollen vor allem Studierende aus den LBV-Hochschulgruppen regelmäßig Schmetterlinge auf festgelegten Strecken erfassen. Diese sogenannten Transekte liefern wichtige Daten für die Forschung.
Die Beobachtungsgänge helfen nicht nur der Wissenschaft. Sie schärfen auch den Blick für die eigene Umgebung. Wer nach Faltern in verschiedenen Entwicklungsstadien sucht, lernt Lebensräume neu kennen und entwickelt ein besseres Verständnis für die Ansprüche und den Schutz dieser Artengruppe.

Kleiner Feuerfalter auf einer Blüte.
Die im Tagfalter-Monitoring Deutschland erhobenen Daten fließen unter anderem in den Index der Grünlandschmetterlinge ein. Dieser Grassland-Butterfly-Index ist auch auf EU-Ebene ein wichtiger Indikator zur Bewertung der Biodiversität in Agrar- und Offenlandlebensräumen.
Forschende des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung haben den Index erstmals für Deutschland berechnet und dabei einen deutlichen Rückgang festgestellt, besonders bei den Individuenzahlen spezialisierter und anspruchsvoller Arten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Entwicklung der Grünlandschmetterlinge in Deutschland dem europäischen Trend entspricht.
Gerade Arten des Grünlands sind in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen. Betroffen sind nicht nur spezialisierte, sondern auch verbreitete Arten. Um solche Entwicklungen verlässlich zu erkennen, braucht es langfristige und flächendeckende Datenreihen. Der LBV soll als starker Partner dazu beitragen, diese Datengrundlage weiter auszubauen.

Mauerfuchs in natürlicher Umgebung.
Gefördert wird das Projekt von der Lesser Stiftung für Naturschutz.

LBV-Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V