Vielleicht eröffnet ein derzeit noch ganz ländliches Startup am Hof von Daniel Pretzl gleich mehrere große Chancen für Landwirtschaft, Industrie und Ökologie auf einmal. Hier wachsen extra flotte Bäume, Reststoffe werden durch Pilze besonders schnell zerlegt und aus dem Myzel eines Speisepilzes entstehen Produkte mit hohem Klimavorteil. MdL Martin Behringer schaute sich bei dem innovativen Hofbetrieb um, der die Idee nun von der Entwicklung in die konkrete Anwendung überführen will.
Die Grundlage bildete die Suche nach neuen land- und forstwirtschaftlichen Chancen. Der aus China stammende Paulownia-Baum könnte dabei eine Zukunftspflanze darstellen. Er wächst anspruchslos, schnell und bringt in nur gut einem Jahrzehnt wirtschaftlich verwertbare Stämme hervor, die sogar im Möbelbau Anwendung finden. In dieser Zeit bindet die Art auch entsprechend viel CO2.

MdL Martin Behringer (v.l.) war begeistert von der Idee, dass Daniel Pretzl und Dr. Ruben Casillas aus holzigen Reststoffen mittels Pilzmyzel ökologische Rohstoffe wachsen lassen.
Damit aber nicht genug: In Kooperation mit der Firma Fungarium und Dr. Ruben Casillas wurde auch danach geforscht, wie zum Beispiel fasrige Reste des Baums oder anderer holziger Pflanzen weitere Verwendungsmöglichkeiten haben können. Solche Materialien fallen teils sogar im Überfluss aus Heckenprogrammen an.
Die Lösung liegt im Pilzmyzel. Pilze haben die Eigenschaft, mit ihrem sonst unterirdischen Geflecht biologische Stoffe aufzuschlüsseln und umzuwandeln. Daraus lassen sich Materialien herstellen, die etwa für Dämmstoffe, Platten für den Innenausbau, Verpackungen oder vielleicht später auch für Spritzguss genutzt werden könnten. Und das ohne den Einsatz von Erdöl oder Chemie.
Nach dem Prozess des Durchwachsens wird der Pilz durch Trocknung und Erhitzung inaktiv gestellt. Hat er seinen Dienst getan, ist das Produkt im Grunde wieder Biomasse und kann im Naturkreislauf kompostiert werden. Nebenbei entstehen dabei weitere interessante Stoffe, etwa Geschmacks- und Duftstoffe, die an Kaffee oder Kakao erinnern.
Momentan dienen noch Tüten als Bioreaktoren, in denen in einem zum Labor umgebauten Hofraum eine weiße teigige Masse heranwächst. Die Einsatzgebiete sind dabei vielfältig. Martin Behringer zeigte sich beeindruckt davon, was mit einem rein biologischen Verfahren möglich wird, wo heute noch hauptsächlich erdölbasierte Produkte Probleme von fossilem Verbrauch bis hin zum Recycling aufwerfen.
Doch bringt das auch Risiken mit sich? Pretzl benutzt und vermarktet ausdrücklich nur invitro vermehrtes Pflanzgut, das nicht vermehrungsfähig ist. Das Risiko, heimische Arten zu verdrängen, ist also gering. Der genutzte Pilz ist ungenießbar, kommt in der Natur aber selbst vor. Das hier gezielt verstärkte Myzel wird zuvor ohnehin gestoppt und kann dann auch nicht mehr zum Wachsen angeregt werden.
Als Dünger und Bodenverbesserer gibt das Material der Natur nach einer Kaskadennutzung als Möbel oder Platte schließlich zurück, was zuvor zum Wachstum des Baums verbraucht wurde. Was hier aus dem früheren Stall heraus entsteht, soll sich im nächsten Schritt nun in der Produktion bewähren.

MdL Martin Behringer