Alte Kameras, schwere Vorhänge und Kleidung aus längst vergangenen Zeiten: Im historischen Fotoatelier von Franz Seidel wird Geschichte greifbar. Genau dort standen kürzlich Schülerinnen und Schüler der Klasse 11a gemeinsam mit Jugendlichen der Partnerschule aus Soběslav vor der Kamera und tauchten für einen Moment in das frühe 20. Jahrhundert ein.

Die Exkursion führte die Jugendlichen in die südböhmische Stadt Český Krumlov an der Moldau, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Der Besuch des Ateliers war Teil einer gemeinsamen Exkursion in die südböhmische Stadt Český Krumlov an der Moldau, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Im Mittelpunkt stand dabei das Leben und die wechselhafte Geschichte des Zusammenlebens von Deutschen und Tschechen in der Grenzregion. Am Beispiel des Fotografen Franz Seidel wurde deutlich, wie eng persönliche Lebenswege mit der großen Geschichte verbunden sein können.
Seidel war ein deutschsprachiger Böhme und setzte sich für die Tschechoslowakei ein. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde er deshalb inhaftiert. Gerade diese Haft bewahrte ihn davor, an die Front geschickt zu werden. So überlebte er sowohl den Zweiten Weltkrieg als auch die anschließende Vertreibung der Deutschen aus Krummau.

Auch einzelne Gruppen nutzten die Gelegenheit, sich in historischen Kostümen fotografieren zu lassen.
Seine Familie traf das Schicksal jedoch hart. Die Brüder Arnold und Helmut fielen an der Ostfront beziehungsweise wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Auch Seidels Verlobte musste Krummau verlassen. Erst nach 13 Jahren sahen sich die beiden wieder. Eine gemeinsame Familie blieb ihnen jedoch verwehrt.

Im Atelier von Franz Seidel wurde Geschichte für die Jugendlichen unmittelbar erlebbar.
Unter der kommunistischen Herrschaft lebte Seidel später eher zurückgezogen in der Tschechoslowakei. Seine große Leidenschaft blieb jedoch die Fotografie. Im erhaltenen Atelier konnten sich die Jugendlichen aus Grafenau und Soběslav schließlich selbst in historischen Kostümen fotografieren lassen.

Auch die Jungen schlüpften für die Fotos in historische Kleidung und Accessoires.
Bereits am Vormittag hatten sich die Schülerinnen und Schüler in gemischtsprachigen Gruppen auf eine Stadterkundung begeben. Dabei beschäftigten sie sich auch mit dem Schicksal jüdischer Bürgerinnen und Bürger Krummaus während der Zeit des Nationalsozialismus.

Die Schülerinnen und Schüler aus Grafenau und Soběslav trafen sich zu einer gemeinsamen Exkursion nach Südböhmen.
Mit vielen Eindrücken im Gepäck machten sich die Jugendlichen am Nachmittag wieder auf den Rückweg nach Grafenau. Neben neuen Erfahrungen nahmen sie auch ein Stück gemeinsamer deutsch-tschechischer Geschichte mit.

Bei einer Stadtführung setzten sich die Jugendlichen mit der Geschichte von Český Krumlov auseinander.
Gefördert wurde die Exkursion vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds sowie von Tandem, dem Koordinierungszentrum für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch.

Stolpersteine in der Altstadt erinnern an jüdische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.

Schülerinnen und Schüler aus Grafenau und Soběslav ließen sich im historischen Atelier von Franz Seidel in Kostümen des frühen 20. Jahrhunderts fotografieren.

Landgraf-Leuchtenberg Gymnasium Grafenau