"Eisheilige" um Mitte Mai ohne Frost

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17.05.2023 16:30 Uhr
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Nässe und kühle Temperaturen 

Dr. Fritz Haselbeck

Traten sie heuer um Mitte Mai auf in unserer Bayerwaldregion, die „Eisheiligen“? Auf jeden Fall strömte Kaltluft aus östlicher Richtung ein, die uns in mittleren Lagen Temperaturen untertags um 7 Grad bescherte. Fröste, die um diese Zeit manchmal auftreten, blieben allerdings aus. Eines ist auch gewiss: Kühles Wetter um diese Jahreszeit tut der Natur gut, lässt die Natur in sattes Grün schießen und treibt das Wachstum der Pflanzen enorm voran. Bekanntermaßen ordnet man die fünf „Eisheiligen“ Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia, den Tagen vom 11. Mai bis zum 15. Mai zu. Während dieser Tage sind – so der Mythos – traditionell die letzten Frostnächte der ersten Jahreshälfte zu erwarten.

Der Mai ist der Übergangsmonat vom Frühling in den Sommer, der Sonnenstand nimmt von Anfang bis Ende Mai deutlich zu. Dabei wird es auch schrittweise wärmer, bei speziellen Hoch- und Tiefdrucklagen kann jedoch aus nördlichen Breiten immer wieder Luft polaren Ursprungs eintriften. Insofern sind aus meteorologischer Sicht Frühlingsfröste gerade in unserer Berggegend ganz normal. Der auch als „Wonnemonat“ bezeichnete Mai wird also in unregelmäßiger Weise Kältephasen erleben. Die „Eisheiligen“ können dabei verfrüht oder verspätet auftreten. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese ausgerechnet während der sogenannten „Eisheiligen“ auftreten, ist laut Deutschem Wetterdienst nicht größer als an anderen Tagen, vor allem in den ersten beiden Maidritteln. Schaut man, den Bayerwald betreffend, in den Wetterkatalog der vergangenen 70 Jahre, so fallen das Jahr 1953 mit minus 4 Grad und die beiden Jahre 1980 und 1995 mit minus 3 Grad Bodenfrost um Mitte Mai auf. Dass das Thermometer zu dieser Zeit wirklich unter den Gefrierpunkt fällt, ist nur bei etwa 15 Prozent der Jahre belegt, das heißt im Durchschnitt alle 10 Jahre.

Hinzu kommt noch ein anderes Faktum: Bis 1582 galt der Julianische Kalender, der die „Eisheiligen“ zu Mitte Mai ansiedelte. Seitdem der Gregorianische Kalender eingeführt wurde, stimmt die Terminierung nicht mehr. Damals wurde die Zeiteinteilung nämlich um 11 Tage vorgestellt, wonach Pankratius (aktuell am 12. Mai) eigentlich erst am 23. Mai wäre. Alte Bauernregeln greifen das Thema „Eisheilige“ auf und nehmen die kalten Wetterphänomene im „Wonnemonat“ Mai in den Fokus:

"Der Heilige Mamerz hat von Eis ein Herz”
“Pankratius hält den Nacken steif, sein Harnisch klirrt von Frost und Reif”
“Servatius' Mund der Ostwind ist, hat schon manch` Blümchen totgeküsst."
"Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bevor Sophie ganz vorüber ist."

Gelegentlich, abhängig von der Großwetterlage, können die “Eisheiligen” ganz ausfallen. So konnte man sie beispielsweise für das Jahr 2022 nicht verzeichnen, bei Temperaturen um 22 Grad brachten sie sogar eine Portion schöner Frühlingswärme mit sich. Übrigens, die „Eisheiligen“ sind nicht zu verwechseln mit der „Schafskälte“, die dann Mitte Juni ab und zu das Wetter bestimmt - im Zeitraum zwischen 10. und 12. Juni.


- DH



Quellenangaben


Bildupload: Dr. Fritz Haselbeck

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