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16.12.2022
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Eine Frau mit vielen Stärken – Martina Kirchpfening

In einem Sacherl am Ortsrand von Altschönau, mitten im Nationalpark, wohnt Martina Kirchpfening. Aufgewachsen ist sie in München. Nach einer tollen Kindheit als Gastwirtstocher mit viel Freiheit, fing sie ein Studium als Gartenbauingenieurin an. Ihr damaliger Freund hatte einen Obstbaubetrieb in Südtirol und was lag da näher, als dieser Studiengang. Doch dann kam alles anders. Sie heiratete einen Münchner Künstler, bekam einen Sohn und studierte schließlich Sozialpädagogik.


Schon damals wollten ihr Mann und sie "später mal" aufs Land ziehen. Leider kam es dazu nicht mehr, da ihr Mann verstarb. "Als halbes Paar wollte ich nicht mehr in München bleiben", erzählt die Sozialpädagogin und ergriff die Initiative, kündigte ihren lukrativen Job in München und suchte ein Haus auf dem Land mit viel Platz für Menschen, Tiere und Pflanzen. Ohne Job und mit einem arg renovierungsbedürftigen Haus in der Tasche ging die Reise los nach Altschönau in den Bayerischen Wald. Kurz danach kam der Kreisjugendring auf Kirchpfening zu und bot ihr den Job als Geschäftsführerin an. "Durch meine Referentenzeit in München bin ich viel herumgekommen und mich kannten auch viele Leute, das hat mir wohl den Job gesichert", erklärt sie. "Ich war dankbar für die Arbeit beim Landkreis und die Vernetzung, die ich dadurch geknüpft habe."
Nach vier Jahren als Geschäftsleiterin wechselte die Sozialpädagogin und Sozialbetriebswirtin dann zum Landratsamt Freyung-Grafenau als Kreisjugendpflegerin und Jugendhilfeplanerin im Amt für Kinder und Familie. "Jedoch schwirrte mir schon lange und immer wieder der Gedanke an eine selbstständige Tätigkeit im Kopf herum. Ich habe viele Interessen – vergleichbar mit einem Bauchladen. Einige davon wollte ich als Selbstständige ausprobieren und ausbauen."

Lange hat sie spekuliert, da die Arbeit im Landratsamt viel Spaß gemacht hat. "Das Umfeld war super, der Job war spannend und interessant – was will man mehr." 2021 hatte sie dann einen schweren, völlig unverschuldeten Autounfall, zum Glück blieb sie trotz großem Schock körperlich unverletzt. Das aber war dann der ausschlaggebende Punkt, um zu sagen: Das Leben ist zu kurz, um noch länger damit zu warten, Träume zu realisieren. "Der schlimmste Fehler ist es, das geträumte nicht auszuprobieren. Was kann einem schon passieren? Am meisten Angst hat man wohl davor, was andere dazu sagen. Wenn wen man es nicht probiert, weiß man nicht, ob es funktioniert. Und falls es doch nicht das Richtige ist, vertraue ich einfach darauf, dass sich eine andere Tür öffnet."

So machte sich Martina 2021 mit 57 Jahren selbstständig als Referentin und Sozialarbeiterin. "Und wie es so ist, kommt meist alles anders als man denkt. So ergeben sich neue Wege, mit denen man nicht gerechnet hat und verschwinden andere, auf die man gesetzt hat."


Ihre Schwerpunkte setzt Kirchpfening auf Sozialarbeit, Coaching und Organisationsberatung mit Kursen, Vorträgen, Projekten und vielem mehr.

Beim Coaching zum Thema Berufsorientierung sind ihr vor allem die Frauen ein Anliegen. "Es ist mir wichtig, Frauen in der beruflichen Entwicklung und in der Persönlichkeitsbildung zu fördern und zu vernetzen. Für Jugendliche und ganze Schulklassen gibt es Angebote zur Berufsorientierung oder individuelle Bewerberungsberatung." Aktuell ist das Thema "soziale Berufe" ein großer Baustein ihrer Jugendarbeit, um mehr junge Leute für soziale Berufe zu begeistern.

In der Sozialen Arbeit bietet die Pädagogin Jugendhilfeleistungen und Projekte für verschiedene Zielgruppen wie Familien und Jugendliche an. Martina Kirchpfening war lange Jahre Streetworkerin in München und ist bestens vertraut mit den Sorgen und Nöten, mit denen gerade Jugendliche zu kämpfen haben.

Betriebliche Sozialarbeit bietet sie in Kooperation mit einer Münchner Firma an. Für Firmen, die Vertragspartner werden, bietet sie professionielle soziale Beratung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Betrieb an.

Viel Wert legt sie auf das Thema Nachhaltigkeit im Leben und Arbeiten.
So bietet sie auf ihrem Hof auch Tier- und Naturbegegnung an. Für Firmen – um die Zusammengehörigkeit zu stärken – aber auch für andere Erwachsenen- oder Jugendgruppen.


Momentan leben am Hof 34 Tiere, darunter Schafe, Hühner, Ziegen, Kaninchen und Hunde.
"Die Ziegen baue ich am liebsten in meine Arbeit mit ein. Denn Ziegen treten vehement für ihre Rechte ein. Dabei sind sie nicht aggressiv, sondern einfach auf eine ganz besondere Art zielstrebig. Und das nicht nur kurz, sondern meist solange, bis das Gewollte erreicht wird. Dabei ist ihnen Gewalt und Respektlosigkeit zuwider. Das gefällt mir an den Tieren. Hier können wir Menschen uns etwas von den Tieren abschauen."


Durch den Hof kann sie sich mit vielem selbst versorgen. Eier, Fleisch, Milch, Milchprodukte und im Sommer Wildkräuter, Gemüse und Obst aus dem Garten. Es ist wie ein Kreislauf, so wenig wie möglich sollte weggeworfen werden. So bekommen die Hunde die Schlachtabfälle und die Molke, die bei der Käserei übrig bleibt, wird an die Hühner verfüttert. Die Käserei kann man ebenfalls bei Martina Kirchpfening lernen. In VHS Kursen gibt sie ihre Erfahrung weiter.

"Die Leute beobachten mich oft, fragen nach, warum ich das so oder so mache und finden manches vielleicht strange. Ich erzähle davon, verurteile aber niemanden der es anders macht. Jeder sollte so leben, wie es seinen Vorstellungen entspricht. Mir ist dabei eben Respekt vor Mensch, Tier und Natur wichtig."


Martina versucht "einfach" zu leben, ohne viel Schnickschnack. Ich finde es eine sehr besondere Art und habe die zwei Stunden auf ihrem Hof sehr genossen.


- CG


Serie: Berufe in der RegionBeruf oder doch Berufung? Menschen aus der Region erzählen uns, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sind. Von außergewöhnlichen Berufen bis hin zu Geschichten über Frauen in einer Männerdomäne - oder umgekehrt - in dieser Serie beleuchten wir die Arbeitswelt in der Region und darüber hinaus.

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