zurück zur Übersicht

18.07.2022
289 Klicks
teilen

„Der Umgang mit den Kindern – ihre Offenheit und Unvoreingenommenheit – wird mir fehlen“

Mit dem zweiten Halbjahr 2022 ist in und um Waldkirchen eine neue Ära im Bereich der kindermedizinischen Betreuung und Behandlung eingeläutet worden – der niedergelassene Kinderarzt Dr. Peter Seidl und seine Frau Dr. Hanna Seidl sind in den Ruhestand gegangen und haben ihre Praxis an Florian Wimmer übergeben.

„Der Umgang mit den Kindern, ihre Offenheit, Unvoreingenommenheit und die Freude, wenn es ihnen (wieder) gut geht, werden mir sehr fehlen“, blickt Dr. Peter Seidl doch auch mit etwas Wehmut auf seine 31-jährige Praxistätigkeit in Waldkirchen. Insgesamt war Seidl über 40 Jahre ärztlich tätig. „Es waren die prägenden Begegnungen mit anderen Kinderärzten, die mir den Weg in die Kinder- und Jugendmedizin gewiesen haben“, erinnert sich der 67-Jährige zurück, der anfangs noch Chirurg werden wollte. Letztlich hat er dann doch seinen Doktor in der Kindermedizin gemacht, zunächst noch eine Stelle an der Uni-Kinderklinik in Frankfurt zur Facharzt-Weiterbildung besetzt und ist dann nach Passau gekommen. „Es hat sich von Anfang an gut angefühlt dort arbeiten und leben zu dürfen, wo andere Urlaub machen“, hat Seidl seinen Umzug nach Niederbayern nie bereut – im Gegenteil: Auch im Ruhestand wird er mit seiner Frau der Region treu bleiben. „Wir haben uns hier sehr gut eingelebt und sind auch ehrenamtlich kirchlich stark eingebunden – dafür haben wir nun mehr Zeit.“

Rückblickend ist das Ehepaar Seidl mit tiefer Dankbarkeit erfüllt, den Familien in der Region ein Begleiter gewesen sein zu dürfen: „Für viele waren wir doch ein wichtiger Begleiter und Fels im Strudel – das war eine schöne Erfahrung.“ Er erinnert sich noch gut an das erste Kind, das er in seiner Waldkirchener Praxis seinerzeit behandelt hatte – „das musste ich direkt an die Kinderklinik weitergeben.“ Überhaupt sei es die knifflige Diagnostik mancher Krankheitsbilder oder auch die Begleitung schwer kranker Kinder auf ihrem Genesungsweg gewesen, die ihm ewig in Erinnerung bleiben werden. „Davon zehrt man und es fühlt sich besonders an, hier Spuren hinterlassen zu dürfen.“

Wo sich auf der einen Seite Wehmut in den Abschied mischt, ist Seidl gleichermaßen auch froh nun ein wenig Abstand zum Praxisalltag gewinnen zu können: „Der Bürokratismus hat in den letzten Jahren doch stark zugenommen“, zweifelt er die Sinnhaftigkeit vieler Ausführungsbestimmungen doch stark an. So war es zuletzt oft anstrengend allen Anforderungen noch gerecht zu werden.

Das Ehepaar Dr. Seidl hat sich in den Ruhestand verabschiedet.
Das Ehepaar Dr. Seidl hat sich in den Ruhestand verabschiedet.


Seinem Nachfolger Florian Wimmer wünscht er in jedem Fall nur das Beste: „Die Kindermedizin ist damals wie heute geprägt von guter Fachlichkeit und einem ganzen Schwung Empathie und dem richtigen Umgang mit Kindern und ihren Familien – dafür wünsche ich Herrn Wimmer stets ein gutes Händchen.“ So ist Seidl auch der festen Überzeugung, dass Kinderärzte gerade im ländlichen Raum eine wichtige Säule in der kindermedizinischen Betreuung sind: „Auf dem Land ist der Kinderarzt ein wichtiger Begleiter für Familien, der Seriosität vermittelt und in Zeiten von Dr. Google hilft, Ordnung in die vielen Informationen zu bringen – ein Kinderarzt ist viel mehr als ein reiner Dienstleister.“ So werden Kinderarztpraxen auch in Zukunft von immenser Bedeutung sein. „Gerade die Kinderklinik setzt sich hier stark für den Nachwuchs ein – mit dem sogenannten Rotationskonzept konnten wir so gemeinsam schon einige junge Ärztinnen und Ärzte gut vorbereiten und in Praxen auf dem Land vermitteln“, ist Seidl auch im Namen seiner Funktion als ehemaliger Sprecher der niedergelassenen Kinderärzte dankbar für dieses Engagement.

Themen, die Dr. Seidl sehr am Herzen liegen: Die Sprachentwicklung und der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen! Hier möchte er Eltern und ihren Kindern noch etwas auf den Weg geben: „Sprache wird durchs Sprechen gelernt. Ich sehe Eltern hier auch in der Pflicht sich mit ihren Kindern zu beschäftigen und mit ihnen in den Dialog zu treten. Und was die neuen Medien angeht – sie gehören zu unserem Alltag. Wichtig ist jedoch ein bewusster und auch manchmal eingeschränkter Umgang, vor allem mit dem Hintergrund entsprechender Medienkompetenz.“ Das Internet könne eine ärztliche Untersuchung und die Bewertung eines Krankheitsbildes niemals ersetzen – „Rat suchen ist das eine, ihn richtig einzuordnen das andere.“


- SB


Kliniken Dritter Orden gGmbHPassau

Quellenangaben

Kliniken Dritter Orden gGmbH
starke medien
Foto: Seidl

Sie möchten Ihren Bericht regional bewerben?

Alle Informationen und Ihren Ansprechpartner finden Sie HIER.


Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?


Ähnliche Berichte

Grenzlerbuam überreichen 2500 Euro an Stiftung KinderlächelnPassau Wie so viele Veranstaltungen konnte auch die Tombola der "Grenzlerbuam Ratzing" im Rahmen der traditionellen Marktweihnacht in Waldkirchen pandemiebedingt nicht stattfinden.Mehr Anzeigen 06.07.2022„Es ist ein Privileg Kinderarzt sein zu dürfen“ – Dr. Peter Seidl und Claus-Dieter Thiem in den Ruhestand verabschiedetPassau „Es ist heute ein Abschied, aber auch ein Willkommensgruß“, betont Prof. Dr. Matthias Keller, Ärztlicher Direktor der Kinderklinik Dritter Orden Passau, bei einem offiziellen Abschied zweier langjähriger niedergelassener Kinderärzte im Landkreis Passau und im Landkreis Freyung-Grafenau.Mehr Anzeigen 02.07.2022Zahnarztpatienten spenden ZahngoldFreyung „Eigentlich ist es eine Spende unserer Patienten“, betont Dr. Agathe Ascher. Die Freyunger Zahnärztin hat bei einem Treffen in der Kinderklinik Dritter Orden Passau einen dicken Spendenscheck über insgesamt 5.000 Euro an die Stiftung Kinderlächeln überreicht.Mehr Anzeigen 19.05.2022„Auch wir wollen Familien aus der Region unterstützen“Passau Immer donnerstags ist Josef Hermann (2.v.r.) mit seinem Verkaufswagen auf dem Wochenmarkt in Waldkirchen unterwegs – zuletzt gemeinsam mit seiner Tochter Marion in caritativer Mission.Mehr Anzeigen 15.05.2022Spende statt KundengeschenkePassau "Wir haben uns bereits vor einigen Jahren dazu entschieden, auf Kundengeschenke zu Weihnachten zu verzichten und einen entsprechenden Betrag lieber zu spenden - und zwar regional", betont Thomas Höppler, Geschäftsführer der 2basics GmbH in Waldkirchen.Mehr Anzeigen 30.01.2022Neue Spielsachen für die Kinder auf StationPassau „Es hat ein bisschen was von Weihnachten – so wie die ganzen Spielsachen und das Equipment für die Stationen hier aufgebaut sind“, lacht Dr. Maria Diekmann, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kinderlächeln, bei einem offiziellen Übergabetermin des gesamten Materials für die Stationen der Kinderklinik Dritter Orden Passau.Mehr Anzeigen 17.11.2019