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30.06.2022
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Ortsnamen und ihre Geschichte

Ortsnamen gehören zu den allgegenwärtigsten Dingen in unserem Leben. Täglich spricht man davon, wo man heute noch hinmuss oder was man wo gesehen hat. Ein „Ortsname“ (fachlich Oikonym) kann der Name einer Stadt, eines Dorfes oder auch nur eines Weilers sein. Sie sind notwendig, um Ansiedlungen eindeutig benennen und bestimmen zu können. Dabei sind alle Ortsnamen einmal aus irgendeinem Grund entstanden. Dies waren (sind) meist bestimmte Merkmale, die diesem Ort anhafteten, wie geografische Gegebenheiten, der Name des ersten Siedlers oder andere Besonderheiten. Speziell kirchliche Bezüge sieht man oft als selbstständigen oder integrierten Teil von Ortsnamen, da diese oft der Grund für die Entstehung der Siedlung waren. Es handelt sich in solchen Fällen meistens um Gebäude und kommen als -kirch, -kloster, -zell o.ä. in den Ortsnamen vor, wie bei dem Ort „Kirchdorf im Wald“.

In sehr vielen Fällen haben Ortsnamen ihre ursprüngliche Form durch Sprachwandel verloren und Namensforscher müssen erst in Archiven suchen, um herauszufinden, wie die Orte früher hießen und was der ursprüngliche Grund für die Namensvergabe war. Denn die heutige Version der Ortsnamen verführt oft dazu, falsche Schlüsse zu ziehen. So bekam beispielsweise die Burg Wolfstein nicht ihren Namen wegen der vielen Wölfe, die es vielleicht früher dort gab, sondern weil der Fürstbischof Wolfger von Erla sie um 1200 zur Sicherung der Landesgrenzen erbauen ließ.


Die Ortsnamen im Deutschen werden meist aus zwei Worten zusammengesetzt, aus einem Bestimmungswort und einem Grundwort. Ein älteres, aber selteneres Muster ist die Bildung aus Bestimmungswort und Suffix, einer Nachsilbe, die selten eine eigenständige Bedeutung haben.

Die Grundwörter dienen oft als Endung und leiten sich von bestimmten Merkmalen der Ortschaft ab, zum Beispiel dem Vorhandensein von Gebäuden oder von Flurnamen, wie einem Fluss, nahe gelegenen Bergen oder von häufig auftretenden Pflanzen- oder Tierarten. So liegen Orte, die auf "-burg" und "-berg" enden, normalerweise etwas höher, Orte auf "-bach" in der Nähe eines Baches, in Siedlungen auf "-kirchen" stand eine Kirche und so weiter. Im Bayrischen Wald gibt es beispielsweise viele Ortschaften mit der Endung -berg, -schlag, -mühle oder -au, wie Schönberg, Eppenschlag, Haidmühle oder Spiegelau.

Die Bestimmungsworte stehen meist vor den gerade erklärten Grundwörtern und beschreiben damit die Orte noch einmal genauer. Auch helfen sie Siedlungen mit dem gleichen Grundwort voneinander zu unterscheiden, wie zum Beispiel Finster-au und Hohen-au. Wie die Grundwörter verweisen sie ebenfalls auf Bauten (wie in Kirch-dorf), beziehen sich auf Personengruppen (Bischofs-mais), auf den Namen einer bestimmten Person (Willhelms-reut) oder ebenfalls auf das auffällige Auftreten bestimmter Tier- oder Pflanzenarten (Lindberg).

Ein Beispiel für solch einen „klassischen Ortsnamen“ kann demnach „Waldkirchen“ sein. Der Grund für das Entstehen dieser Siedlung war vermutlich eine Kirche und, um diesen Ort näher zu beschreiben, wurde das Bestimmungswort "Wald-" vorangestellt, da er sich im damals schon großen Waldgebiet befand.


Abgesehen davon gibt es manchmal noch Namenszusätze, die Orte differenzieren sollen, da es trotz Bestimmungswort vorkommen kann, dass Siedlungen den gleichen Namen tragen. Sie werden vor das Bestimmungswort gestellt und sind im Gegensatz zu diesen und den Grundwörtern eher funktional wie inhaltlich. Namenzusätze lassen sich vom Alter (Neu-, Alt-), der Größe (Groß-, Klein-), der Höhe (Hohen-, Nieder-) oder der Richtung (Hinter-, Inner-/Außer-,) ableiten. Dies ist der Grund für die Entstehung von Ortsnamen wie Innernzell und Außernzell oder Altreichenau und Neureichenau.

Als letztes zu erwähnen sind nachgestellte Zusätze wie bei/am XY, wie „Haus im Wald“, welche ebenfalls von gleichen Ortsnamen unterscheiden sollen, jedoch in der lokalen Umgangssprache meist ignoriert werden.

Ein sehr allgemeiner und gleichzeitig komplexer Bericht über den Aufbau deutscher Ortsnamen. Mit diesem Hintergrund werden hier in Zukunft manche Ortsnamen genauer betrachtet werden.


- TL


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