zurück zur Übersicht

06.03.2022
713 Klicks
teilen

Biogasanlagen für kleine Betriebe

Die Energiewende muss schneller vorankommen. Auch ein Projekt unter der Beteiligung des Bezirks Niederbayern könnte hier einen wertvollen Beitrag leisten – vor allem auf kleineren landwirtschaftlichen Betrieben. Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Kleine Biogasanlagen aus textilen Materialien“ erforschen und entwickeln auf dem Gelände des Agrarbildungszentrums Landshut-Schönbrunn die Hochschule Landshut, die Landesanstalt für Landwirtschaft in Freising, die Firmen Finsterwalder Umwelttechnik und Agrotel sowie die Landmaschinenschule Schönbrunn eine kostengünstige und einfach zu errichtende Biogasanlage aus textilen Materialien (Kunststofffolien), die auch kleineren landwirtschaftlichen Betrieben eine Eigenversorgung mit Strom- und Wärme aus landwirtschaftlichen Reststoffen, wie Mist, Gülle und Ernteresten ermöglicht. Dieses Projekt wird vom Bayerischen Wirtschaftsministerium mit rund 2 Millionen Euro gefördert. Auf dem Gelände des Agrarbildungszentrums (ABZ) des Bezirks Niederbayern soll ab Juni die Demonstrationsanlage mit 16 Kilowatt elektrischer Leistung und 35 Kilowatt Wärmeleistung mit Rinderfestmist und Kleegrassilage aus dem Biobetrieb des ABZ in Betrieb gehen.

Über den aktuellen Stand des Projektes informierten sich nun Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Bezirksrätin Martina Hammerl bei Hochschul-Präsident Prof. Dr. Fritz Pörnbacher und den Projektverantwortlichen an der Hochschule Landshut, Prof. Dr. Josef Hofmann und Prof. Dr. Walter Fischer. Die Vorteile von kleinen Hofbiogasanlagen liegen auf der Hand: Landwirte mit weniger Tieren, darunter auch Biobetriebe, könnten sich durch die eigene Energieversorgung autark machen, sich vor Blackouts des Stromnetzes schützen und die Grundversorgung des Hofes sicherstellen, was bei steigenden Energiepreisen auch wirtschaftlich zunehmend interessant wird. 25 bis 50 Kilowatt elektrische Leistung sollen diese kleinen Anlagen bereitstellen. Dazu soll nur das Substrat verwendet werden, das auf dem Hof anfällt. „Wir werden in unserem Projekt mit sämtlichen Substraten in der kleineren Technikumsbiogasanlage experimentieren vom konventionellen Mist aus der Schweine- und Rinderhaltung bis zu Kleegrassilage, Alpaka- oder Pferdemist“, erklärte der Projektkoordinator Hofmann in einer Präsentation den Bezirksvertretern.

Und hier eröffnet sich ein weiterer Vorteil der Kleinanlagen: „Die wirtschaftliche Nutzung der Substrate vor Ort ermöglicht es, die Transportwege zu reduzieren, was ökologisch sehr sinnvoll ist“, zeigte sich Olaf Heinrich begeistert. Der Bezirk Niederbayern war deshalb gerne bereit, sich als Kooperationspartner einzubringen, indem die Demonstrationsbiogasanlage auf dem Gelände des ABZ errichtet, mit dem dort anfallenden Mist getestet und so konstruiert wird, dass der Betrieb der Anlage am besten in die landwirtschaftlichen Abläufe integrierbar ist.

„Das Thema war schon 2019 brandaktuell, als Sie damit angefangen haben, und es wird, um bei der Energiewende voranzukommen, noch mehr in den Fokus rücken“, so Heinrich. Sollte die Anlage gut laufen und die erwarteten Ergebnisse bringen, so würden es beide Seiten – Bezirk und Hochschule – begrüßen, wenn aus dem Modellprojekt Hofbiogasanlagen ein Bildungsprojekt würde, indem man das Thema in die jeweiligen Ausbildungen im ABZ und der Hochschule integriert. Über 20 Studierende sind bereits jetzt beteiligt, um die Anlage zu konstruieren und zum Laufen zu bringen. An der Versuchsanlage im Kleinformat, die bereits auf dem Gelände steht, konnten Olaf Heinrich und Martina Hammerl die Funktion begutachten.

Bezirksrätin Martina Hammerl (v. l.) und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich wurden von Hochschul-Präsident Prof. Dr. Fritz Pörnbacher und den Projektverantwortlichen an der Hochschule Landshut, Prof. Dr. Walter Fischer und Prof. Dr. Josef Hofmann vor Ort über das Projekt informiert.
Bezirksrätin Martina Hammerl (v. l.) und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich wurden von Hochschul-Präsident Prof. Dr. Fritz Pörnbacher und den Projektverantwortlichen an der Hochschule Landshut, Prof. Dr. Walter Fischer und Prof. Dr. Josef Hofmann vor Ort über das Projekt informiert.


Damit die Anlagen kostengünstig zu kaufen sein werden, spielt auch die Materialauswahl eine Rolle. Walter Fischer, der Experte für Werkstofftechnik an der Hochschule, erklärte, dass bestimmt Kunststoffe, die auch im Deponiebau verwendet werden, für die Abdichtung der Anlage zum Einsatz kommen. Zudem seien textile Materialien auch aus ökologischer Hinsicht besser als Stahl und Beton. „Wir werden im Projekt auch die Nachhaltigkeit dieser kleinen Biogasanlagen zusammen mit der LfL untersuchen“, so Josef Hofmann, der noch ein weiteres Projektziel aufführte: „Wir haben gemerkt, dass die Genehmigungsverfahren solcher Anlagen zeitaufwendig und kompliziert sind, da es sehr strenge Auflagen für Biogasanlagen gibt. Mit unserem Projekt wollen wir diese Genehmigungshemmnisse abbauen, indem wir eine Art Baumuster schaffen.“

Biogas sei eine gute Technik, die sich aber bisher vor allem bei großen Betrieben mit hofeigenen Rückständen sowie mit Mist und Gülle ab 260 Großvieheinheiten rechnet. 94,6 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern liegen unter 100 Großvieheinheiten. Kostengünstige, langlebige, kleine landwirtschaftliche Hofbiogasanlagen zu etablieren, wäre für diesen Markt also hochinteressant. Aber nicht nur dafür. Wie Hofmann den Bezirksvertretern berichtete, könnte es auch gelingen, dieses Anlagenprinzip zur Produktion von Faulgasen in kleinen kommunalen Kläranlagen ab 5.000 Einwohnerwerten mit Eigenstromerzeugung zu nutzen oder als Biomethan für den Antrieb kommunaler Fahrzeuge zu verwenden.

„Der Weg weg von Atom- und Kohlestrom gelingt am besten, wenn viele unterschiedliche Stromerzeuger dezentral errichtet werden. Die hier erforschte Kleinbiogasanlage kann auf diesem Weg genauso helfen wie beispielsweise Solarthermie, Wasserkraft oder auch Biomasse“, erklärte Bezirkstagspräsident Heinrich.

Beeindruckt von diesen langfristigen Zielen wünschten Olaf Heinrich und Martina Hammerl vorerst aber gutes Gelingen für die nächsten Monate, damit der Betrieb zur Jahresmitte starten kann und Hochschulpräsident Prof. Dr. Pörnbacher bedankte sich für den Besuch und das Interesse von Seiten des Bezirks.


- SB


Bezirk NiederbayernLandshut

Quellenangaben

Bezirk Niederbayern

Sie möchten Ihren Bericht regional bewerben?

Alle Informationen und Ihren Ansprechpartner finden Sie HIER.


Kommentare

Bitte registrieren Sie sich um hier Kommentare eintragen zu können!
» Jetzt kostenlos Registrieren oder haben Sie Loginprobleme?


Ähnliche Berichte

Bezirk Niederbayern führt Zuschlagskriterium „Nachhaltigkeit“ bei Baumaßnahmen einLandshut In seiner Sitzung vom 15. Februar 2022 beschloss der Bezirksausschuss unter dem Vorsitz des Bezirkstagsvizepräsidenten Dr. Thomas Pröckl, das Zuschlagkriterium „Nachhaltigkeit“ bei der Vergabe von Baumaßnahmen einzuführen.Mehr Anzeigen 17.02.2022Regionalpartnerschaft Bezirk Niederbayern – Departement OiseLandshut Nachdem viele deutsch-französische Präsenzveranstaltungen derzeit auf Eis liegen, beschlossen der Arbeitskreis der Schul- und Kommunalpartnerschaften im Rahmen der Regionalpartnerschaft des Bezirks Niederbayern (AKSK) sowie sein Pendant auf französischer Seite kurzerhand, sich via Zoom über geplante Projekte und Maßnahmen auszutauschen.Mehr Anzeigen 15.02.2022Eine gute Verbindung: Agrarbildungszentrum Landshut-Schönbrunn und Fachschule für ökologischen LandbauLandshut Seit über 30 Jahren ist die Staatliche Fachschule für Agrarwirtschaft, Fachrichtung ökologischer Landbau, am Agrarbildungszentrum Landshut-Schönbrunn angesiedelt. Ebenso lange steht sie unter der Sachaufwandsträgerschaft des Bezirks Niederbayern.Mehr Anzeigen 22.07.2020Ausgefallene Meisterprüfungen und ein einsamer GutsverwalterLandshut Auf dem Areal ist es zu Zeiten der Corona-Pandemie so ruhig wie sonst nicht einmal an Feiertagen und Wochenenden. „Rund 5000 Menschen sind am Bildungscampus Schönbrunn normalerweise an Werktagen unterwegs“, sagt Thomas Schneidawind, der Leiter des Agrarbildungszentrums (ABZ).Mehr Anzeigen 13.04.2020Eine eigene Polizeiakademie für NiederbayernLandshut Die niederbayerische Polizei benötigt eine regionale Ausbildungsstätte für Polizeianwärter. Vertreter der Bezirksgruppe Niederbayern der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich plädierten bei einem Fachgespräch in der Bezirkshauptverwaltung in Landshut für eine rasche konkrete Umsetzung der Beschlüsse der Bayerischen Staatsregierung.Mehr Anzeigen 25.08.2019Eine kleine Biogasanlage aus textilen MaterialienLandshut Offizieller Start eines spannenden Pilotprojekts: Am Dienstag übergab der bayerische Wirtschafts- und Energiestaatssekretär Roland Weigert bei einem Medientermin in Landshut den Förderbescheid für ein Verbundprojekt. Auf dem Areal des bezirkseigenen Agrarbildungszentrums (ABZ) soll eine Demonstrations-Biogasanlage aus textilen Materialien für landwirtschaftliche Betriebe entwickelt und unter Einsatzbedingungen optimiert werden.Mehr Anzeigen 25.08.2019