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20.02.2020
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Wie wird man eigentlich Wachsbildner*in?

Auf ihrem Tisch liegen ein paar Kerzen, das Motiv noch nicht ganz fertig. Dafür ist Franziska Hüttinger zuständig, sie arbeitet als Wachsbildnerin bei Wiedemann Kerzen in Deggendorf. Es ist eine ihrer täglichen Aufgaben, solche Motive zu entwickeln und mit einem ruhigen Händchen die Kerzen zu verzieren – kein alltäglicher Beruf und auch Franziska ist nur durch Zufall auf ihn gestoßen.

Eigentlich hatte sie schon die Stelle als Handelsfachwirtin in der Tasche, doch ihre Mutter hat ihr damals die ausgeschriebene Stelle in der Zeitung gezeigt – da hat Franziska nicht lang überlegt, sondern einfach mal ein Praktikum gemacht, schließlich wollte sie schon immer etwas Kreatives machen. Nach dem Praktikum war die Sache auch eigentlich gleich entschieden: statt Handelsfachwirtin begann Franziska mit der Ausbildung zur Wachsbildnerin. Die einzige Berufsschule für Deutschland, Österreich und der Schweiz befindet sich übrigens in München und hier wird die Klasse zusammen mit Kirchenmalern und Vergoldern gebildet. Zu fünft waren sie im ersten Lehrjahr, das Franziska abgeleistet hat. Als sie aber ihre Ausbildung verkürzt hat, war sie im dritten Lehrjahr schlussendlich alleine mit dem Lehrer. Hatte alles seine Vor- und Nachteile, oder? „Wenn du irgendetwas nicht verstehst, kann er es dir in Ruhe erklären und schauen, wie weit du bist, aber man kann halt nicht ratschen und du bist gezwungen zu lernen“, erzählt Franziska lachend. Und was lernt man dort so? Weil der Beruf des Wachsbildners zusammengefasst wird mit dem des Kerzenherstellers, hat man sowohl den technischen Aspekt und lernt mit den Maschinen umzugehen, andererseits wird auch natürlich viel Wert auf die künstlerische Tätigkeit an sich gelegt. Dazu gehört u.a. die Farbenlehre, Modellieren und das Verzieren. Schließlich besteht eine Kerze aus mehr als nur Wachs, Docht und Farbe – der kreative Prozess, der dahinter steckt, ist enorm wichtig.

Zum jetzigen Zeitpunkt hat Franziska ihre Ausbildung bereits abgeschlossen und ist stolz, dass bereits Kerzen mit eigens ausgedachten Motiven im Laden zu finden sind. Das gefällt ihr an diesem Beruf auch besonders gut: das Kreative, die Möglichkeit, eigene Ideen miteinzubringen – das geht nicht in jedem Job, aber hier ist es sogar notwendig. Ab und an muss Franziska natürlich auch mal an die Maschinen, an denen man immer die gleichen Handgriffe ausführt, eigentlich das Gegenteilige vom Verzieren, bei dem man sich kreativ austoben kann.

Mit ihrem Arbeitgeber Wiedemann Kerzen ist sie übrigens auch sehr zufrieden. „Jeder kennt hier jeden, es ist eigentlich immer lustig“, sagt Franziska dazu. Das Unternehmen in Deggendorf gibt es bereits seit 1861, die Chefin Juliane Wiedemann leitet die Firma nun in fünfter Generation und die Tradition und Qualität der Kerzen steht nach wie vor im Fokus der Firma und ihrer Mitarbeiter. Azubis werden übrigens nur genommen, wenn sie auch übernommen werden können – schließlich ist es als Wachsbildner*in nicht ganz so einfach, einen Job zu finden, wenn nicht in einer Kerzenfabrik. Nach der Ausbildung kann man übrigens noch einen Meister machen, allerdings gibt es dafür keine Schule, die Inhalte für die Prüfung muss man sich selbst beibringen, wie Franziska erklärt.

Die Kerzen werden bei Wiedemann Kerzen selbst verkauft, aber die Firma beliefert auch größere Supermarktketten. Für Sonderanfertigungen beispielsweise für Taufe oder Hochzeit nehmen sich die Mitarbeiter ebenfalls gerne Zeit, um die Wünsche ihrer Kunden zu erfüllen. Das ist Franziskas eigentliche Arbeit und war früher auch mehr verbreitet wie jetzt. Wer sich aber selbst gerne mal die besonderen und eigens hergestellten Kerzen anschauen möchte oder eine Sonderanfertigung für einen besonderen Anlass wünscht, kann gerne in den Laden kommen und sich mal selbst ein Bild davon machen.


- sh


Wiedemann Kerzen

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