"Gläserne" Ortsnamen
Kein Wunder also, dass sich das Glashandwerk im Bayerwald schnell verbreitete und vielerorts neue Glashütten errichtet wurden. Somit haben heute einige Ortschaften in der Gegend eine eigene, sehr alte Glasgeschichte vorzuweisen, wie Frauenau, Zwiesel oder Bodenmais, um nur wenige Beispiele zu nennen.
Aber nur bei wenigen Ortschaften verewigte sich diese Tradition auch im Namen. Es gibt jedoch einige "gläserne" Ortsnamen, die meisten leiten sich nicht vom Produkt selbst ab, sondern von den Produktionsstätten, den Glashütten.
So gibt es viele Orts- und Gemeindeteile, die mit "-hütt" oder "-hütte" enden. Beispielsweise "Grafhütte", "Spiegelhütte", "Schweinhütt" oder sehr offensichtlich "Glashütte" (Schönbrunn am Lusen).
Zu den Hoch-Zeiten der Glasherstellung gab es vor allem sogenannte Wanderglashütten. Diese wechselten den Standort, sobald in ihrer unmittelbaren Nähe der Wald gerodet worden war. Dadurch entstanden gleich mehrere Orts- oder Gemeindeteile mit den Namen "Althütte" und "Neuhütte". Althütte gibt es so beispielsweise in Spiegelau oder auch in Frauenau. Das Pendant dazu, Neuhütte, ist wiederum sowohl in Bayerisch Eisenstein als auch in Mauth zu finden.

1527 gelangte die Familie Riedl in den Besitz der Glashütte. Sie blieb auch 90 Jahre in den Händen der Familie, wodurch die Glashütte und der entstehende Ort seinen heutigen Namen "Riedlhütte" bekam. In den folgenden Jahrhunderten sind mehrere Besitzer der Produktionsstätte ebenso wie ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, sodass Ende der 1980er bis zu 800 Mitarbeiter beschäftigt wurden.
2009 musste "die Riedlhütte" jedoch geschlossen werden, womit beinahe 580 Jahre Glasgeschichte endeten. Die Glastradition existiert im Ort heute noch mit zwei kleineren Glashütten weiter.
Aber nicht nur die Produktionsstätte des Glases ist namensgebend, auch das Glas selbst beziehungsweise Produkte dessen, wie es beim Ort Spiegelau der Fall ist.
Das Grundwort -au leitet sich von ouwe, einem Feuchtwiesengebiet, einer Aue, ab. Der erste Teil des Ortsnamens jedoch von der Herstellung von Glas, speziell Spiegelglas.

Daraus lässt schließen, dass zu dieser Zeit schon Spiegelglas hergestellt wurde, welches von Spiegelmachern andernorts weiterverarbeitet wurde.
Ab 1832 beteiligen sich auswärtige Unternehmer an dem Glasgeschäft, investieren und betreiben diese. Der wachsende Ort erhält 1890 einen Eisenbahnanschluss und wird dadurch und durch die Holz- und Glasindustrie zu einem wichtigen Industriestandort mit hunderten von Arbeitsplätzen.
Spiegelau wird zeitweise wegen des durchfließenden Flusses aber auch Schwarzach genannt, was sich jedoch nicht lange hält.
Auch heute noch brennen die Öfen der namensgebenden Spiegelauer Glashütte und das seit mehr als fünfhundert Jahren.
