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16.11.2022
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Ortsnamen und ihre Geschichte | Teil 6

"Gläserne" Ortsnamen

Die Glasproduktion hat im Bayerischen Wald eine jahrhundertelange Tradition.
Schon im 14. Jahrhundert wurden die ersten Glashütten in der Region des heutigen Bayerischen Waldes gebaut, damals eine arme und karge Gegend, jedoch reich an Holz und Quarzsand, zwei elementar wichtigen Rohstoffen für die Glasherstellung.

Kein Wunder also, dass sich das Glashandwerk im Bayerwald schnell verbreitete und vielerorts neue Glashütten errichtet wurden. Somit haben heute einige Ortschaften in der Gegend eine eigene, sehr alte Glasgeschichte vorzuweisen, wie Frauenau, Zwiesel oder Bodenmais, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Aber nur bei wenigen Ortschaften verewigte sich diese Tradition auch im Namen. Es gibt jedoch einige "gläserne" Ortsnamen, die meisten leiten sich nicht vom Produkt selbst ab, sondern von den Produktionsstätten, den Glashütten.

So gibt es viele Orts- und Gemeindeteile, die mit "-hütt" oder "-hütte" enden. Beispielsweise "Grafhütte", "Spiegelhütte", "Schweinhütt" oder sehr offensichtlich "Glashütte" (Schönbrunn am Lusen).

Zu den Hoch-Zeiten der Glasherstellung gab es vor allem sogenannte Wanderglashütten. Diese wechselten den Standort, sobald in ihrer unmittelbaren Nähe der Wald gerodet worden war. Dadurch entstanden gleich mehrere Orts- oder Gemeindeteile mit den Namen "Althütte" und "Neuhütte". Althütte gibt es so beispielsweise in Spiegelau oder auch in Frauenau. Das Pendant dazu, Neuhütte, ist wiederum sowohl in Bayerisch Eisenstein als auch in Mauth zu finden.
 
 Glasherstellung in einer früheren Glashütte.
Glasherstellung in einer früheren Glashütte.
 
 
Ebenfalls von einer Glashütte stammte der Name der Ortschaft "Riedlhütte", der Gemeinde St. Oswald-Riedlhütte. Vermutlich wurde an dem heutigen Standort des Ortes um 1420 eine Glashütte als "Hütte am Reichenberg" gegründet. Erstmals erwähnt wurde diese aber erst 1450, als Peter Zmizlik aus Böhmen bei einem Raubzug die Glashütte überfiel.

1527 gelangte die Familie Riedl in den Besitz der Glashütte. Sie blieb auch 90 Jahre in den Händen der Familie, wodurch die Glashütte und der entstehende Ort seinen heutigen Namen "Riedlhütte" bekam. In den folgenden Jahrhunderten sind mehrere Besitzer der Produktionsstätte ebenso wie ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, sodass Ende der 1980er bis zu 800 Mitarbeiter beschäftigt wurden.

2009 musste "die Riedlhütte" jedoch geschlossen werden, womit beinahe 580 Jahre Glasgeschichte endeten. Die Glastradition existiert im Ort heute noch mit zwei kleineren Glashütten weiter.

Aber nicht nur die Produktionsstätte des Glases ist namensgebend, auch das Glas selbst beziehungsweise Produkte dessen, wie es beim Ort Spiegelau der Fall ist.

Das Grundwort -au leitet sich von ouwe, einem Feuchtwiesengebiet, einer Aue, ab. Der erste Teil des Ortsnamens jedoch von der Herstellung von Glas, speziell Spiegelglas.
 
 Die Karte zeigt Spiegelau und umliegende Orte. Ebenfalls sind die Glashütten verzeichnet.
Die Karte zeigt Spiegelau und umliegende Orte. Ebenfalls sind die Glashütten verzeichnet.
 
 
Ende des 15. Jahrhunderts werden auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Spiegelau die ersten Glashütten gebaut, darunter auch die in Spiegelau selbst. Erstmals urkundlich erwähnt ist diese 1521, als ein Grafenauer Kaufmann seine beiden Glashütten Spiglaw und Klingenprun der Grafenauer Pfarrkirche hinterlässt.

Daraus lässt schließen, dass zu dieser Zeit schon Spiegelglas hergestellt wurde, welches von Spiegelmachern andernorts weiterverarbeitet wurde.

Ab 1832 beteiligen sich auswärtige Unternehmer an dem Glasgeschäft, investieren und betreiben diese. Der wachsende Ort erhält 1890 einen Eisenbahnanschluss und wird dadurch und durch die Holz- und Glasindustrie zu einem wichtigen Industriestandort mit hunderten von Arbeitsplätzen.

Spiegelau wird zeitweise wegen des durchfließenden Flusses aber auch Schwarzach genannt, was sich jedoch nicht lange hält.

Auch heute noch brennen die Öfen der namensgebenden Spiegelauer Glashütte und das seit mehr als fünfhundert Jahren.

- TL


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