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13.09.2021
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Die Säumer zogen von Waldhäuser nach Bergreichenstein


Grafenau. So sieht gelebte Geschichte aus: Am Fuße des Lusen wurde sechs Pferde mit Salzsäcken beladen und machten sich zusammen mit 10 Säumern auf den Weg, das weiße Gold nach Tschechien zu transportieren. Knapp 40 Kilometer Marsch über Stock und Stein lag vor den Händlern aus dem Mittelalter, bevor die wertvolle Fracht in der Partnerstadt Bergreichenstein abgeliefert werden konnte.

Die beschwerliche Route entlang des historischen Handelsweges Goldener Steig führte über die Blauen Säulen und den Pürstling nach Filipova Hut´, wo die erste Pause eingelegt wurde, bevor zur Mittagspause Horská Kvilda erreicht wurde. Großes Durchhaltevermögen musste der Grafenauer Zug beweisen, bis nach einer schier endlos scheinenden Wegstrecke endlich das Amaliental vor den müden Säumeraugen auftauchte. An der Kirche in Bergreichenstein, wo pünktlich zum Eintreffen der Salzsäumer auch eine Abordnung aus der Heimat wartete, wurden die Säumer gebührend empfangen.

Knapp 10 Stunden waren die Salzhändler aus dem Mittelalter unterwegs, 7 Stunden und 35 Minuten davon waren reine Marschzeit, das flotte Tempo wurde dabei von den Pferden vorgegeben. Am Samstag zogen die bayerischen Händler auf dem Bergreichensteiner Stadtplatz ein, wo zu Ehren des 30-jährigen Städtepartnerschaftsjubiläums mit Grafenau ein großer Markt aufgebaut war. Das zweitätige Programm am Stadtplatz war sehenswert, besonders die mittelalterlichen Vorstellungen über Tanz, Schwertkampf und Musik beeindruckten die zahlreichen Besucher. Bei der Organisation des Säumerzuges hatte sich der Säumerverein rund um den ehemaligen Kastellan der Karlsburg, Zdenek Svoboda, mächtig ins Zeug gelegt. Auf tschechischer Seite stießen auch noch Bergreichensteiner Säumer mit ihren Pferden zur Gruppe aus dem Bayerischen Wald. Gemeinsam hielt man dann Einzug auf dem Stadtfest, um das Salz beim Hohen Rat abzuliefern. Ein hitziges Rededuell lieferte sich Säumervater Willi Schindler dabei mit Wenzel Habgierig, der den Säumern viel zu wenig Gulden für die kostbare Fracht bezahlen wollte. Zum Schluss konnte man sich auch auf einen fairen Preis einigen, zumal es reichlich Pivo (Bier) als Draufgabe gab. Da waren auch die bärtigen Gesellen versöhnt und nachdem die Pferde versorgt waren, wurde gemeinsam auf die gelebte Partnerschaft angestoßen.

 

Die Bilder in dieser Galerie wurden freundlicherweise von Florian Müller (Säumer - Stadt Grafenau) zur Verfügung gestellt, um euch einen Einblick zu ermöglichen.