Sicherheitskonzepte für Großevents - So sehen sie aus

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28.04.2021
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Großevents wie der Besuch namhafter Politiker oder des Papstes, die Silvesterpartys öffentlich rechtlicher Fernsehsender am Brandenburger Tor oder Volksfeste wie das Oktoberfest, brauchen besondere Sicherheitskonzepte. Diese müssen nicht nur die üblichen Themen wie Brandschutz, Fluchtwege oder Zu- und Abflusswege der Besucherströme berücksichtigen, sondern auch Gefahrenquellen im Umfeld des Events entdecken und ausschalten. Das erfordert Fachwissen, Aufmerksamkeit und in der heutigen Zeit auch die Fähigkeit, sich in die Gedanken von Terroristen, Attentätern oder anderen Angreifern hineinzuversetzen. Als Großevent gelten Veranstaltungen zu denen täglich mehr als 100.000 Besucher erwarten werden.

Fachliche Eignung für die Konzeptarbeit

Solche Konzepte erstellt verständlicherweise niemals eine Person allein. Steht ein Großevent an, wird ein Sicherheitsteam gebildet, das für die Konzeptentwicklung zuständig ist. Hier finden sich üblicherweise Vertreter der Veranstalter, der Polizei, der Rettungskräfte und der Kommune. Je nach Bedarf auch aus verschiedenen zuständigen Behörden, wenn es so weit geht, dass Gullideckel zugeschweißt oder komplette öffentliche Areale abgesperrt werden müssen.

Um hier mitzuarbeiten, müssen die Konzeptentwickler fundierte Kenntnisse in den jeweiligen Bereichen haben. Für den Sicherheitsdienst bedeutet das, dass eine Security Ausbildung oder ein Studium absolviert wurde. Das fertige Konzept muss von der zuständigen Behörde genehmigt werden. Die Umsetzung des Konzeptes hat dann auch ganz streng nach den genehmigten Vorgaben zu erfolgen.

Veranstaltungsort und Umgebung

Bereits die Suche des Veranstaltungsortes erfolgt nach Kriterien, die die Gewährung der Sicherheit für Besucher, Veranstalter und Akteure (Promis, Politiker, Papst) so leicht wie möglich macht. Das bedeutet, dass es immer offene Wege für die Flucht geben muss, dass Häuser ggf. geräumt werden, damit niemand von Wohnungen oder Dächern auf Personen schießen kann, etc. Stadträte und Einwohner von Städten, die namhafte Persönlichkeiten empfangen haben, wissen, wie hoch der Aufwand ist, der betrieben wird, um die Sicherheit zu gewährleisten. Gullis werden verschlossen, angekettete Fahrräder entfernt, weil in deren Rahmen Sprengstoff sein könnte, Zufahrten mit Pollern gesichert, was aus dem schrecklichen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin gelernt wurde und inzwischen bereits bei kleineren Veranstaltungen umgesetzt wird.

So leicht wie möglich, bedeutet für ein Sicherheitskonzept immer noch, dass es eine schwierige Aufgabe ist, die bewältigt werden muss. Es gibt unzählige Fragen zu klären, bevor eine Location zum Veranstaltungsort werden kann. Ist die Location ein ausgewiesener Veranstaltungsort, so muss ohnehin ein hauseigenes und bereits genehmigtes Sicherheitskonzept vorliegen (z.B. Stadion, Konzerthaus, Messen). Das wird dann entweder so genutzt oder erweitert.

Sicherheitskräfte – Aufgaben und Finanzierung

Die Fanbegegnungen konkurrierender Bundesligisten werfen immer wieder die Frage auf, wer solche Einsätze eigentlich bezahlt. Das ist auch Thema bei Großevents in anderen Bereichen.

Meist treten die Veranstalter als Finanzierer auf. Bei öffentlichen Trägern müssen Kommunen, Bund und Länder eintreten, private Veranstaltungen müssen natürlich auch privat finanziert werden. Neben dem Sicherheitskonzept, sollte es dann auch einen Finanzierungsplan geben.

Um die Polizei zu entlasten, werden Aufgaben auf Sicherheitsfirmen oder Ordnerdienste verteilt. Dazu gehören die Taschenkontrollen und der Check In, wenn es Eintrittskarten gibt. Die Digitalisierung und personalisierte Eintrittskarten erleichtern die Bestimmung von Identitäten der Anwesenden bei Tumulten oder Katastrophen. Mitgebrachte Gegenstände können konfisziert werden, wenn sie als Waffen eingesetzt werden könnten. Dies betrifft bereits Trinkflaschen, die aus Glas oder Metall sind.

Für die Rettungswege und eventuelle Absperrungen sind meist die örtlichen Feuerwehren zuständig, die mit ihren Freiwilligen auch die Absperrungen bewachen und legitimierte Fahrzeuge und Personen passieren lassen.

Das DRK richtet Versorgungsstationen ein und stellt ausreichend Ersthelfer bereit, die Verletzte versorgen, oder sich um Besucher kümmern, deren Kreislauf versagt oder die akut erkranken.

In großen Menschenmengen können leicht Paniksituationen entstehen, die sich auf umstehende Besucher übertragen. Hier sind Sicherheitsleute speziell geschult, um die Panik möglichst aufzulösen oder betreffende Gäste aus der Menge zu befreien. Dabei müssen gar nicht so gravierende Gründe wie bei der Loveparade 2010 die Panik auslösen. Ein Wolkenbruch mit Hagelschauer, ein herabfallender Gegenstand oder streitende Personen reichen bereits aus.

Hygiene und Gastronomie

Nicht erst die Pandemie hat das Thema Hygiene ins Konzept gebracht. Auch ohne Corona gab es schon immer Infektionen, die sich auf Großveranstaltungen natürlich leicht übertragen. Es sind daher Vorschriften einzuhalten und ein Hygienekonzept zu erstellen. Bislang bezog sich das auf die Bereitstellung von ausreichend Toiletten und auf die Ausstattung von Verkaufsständen für Speisen und Getränke. Die Abstandsregeln und Maskenpflicht, die durch Corona hinzukamen, sind relativ leicht umzusetzen und werden entweder mit einem großräumigeren Areal, das Abstandshaltung ermöglicht oder der Reduktion von Besucherzahlen umgesetzt.

Für die Gastronomie gelten Vorschriften, was die Kühlung, die Sauberkeit und den Ausschank angeht. Hier sind die Betreiber ebenso in der Pflicht für Sicherheit zu sorgen, wie die Veranstalter.

Kleine Checkliste für das Sicherheitskonzept

Folgende Fragen sollten in einem Sicherheitskonzept beantwortet werden.

  • Kennen alle Involvierten das Konzept und können es umsetzen? Hierfür sollten Katastrophenübungen gemacht werden, damit jeder weiß, was zu tun ist.
  • Sind alle Regelwerke aufgegriffen und berücksichtigt? (Arbeitsschutz-, Arbeitssicherheits-, Arbeitszeit-, Jugendarbeitsschutz-, Jugendschutz-, Ladenschlussgesetz, Brandschutzordnung – speziell wenn Pyrotechnik zum Einsatz kommt, Gewerbe-, Versammlungsstättenverordnung, Unfallverhütungsvorschriften, Flucht- und Notfallpläne etc.)
  • Sind die Aufgaben klar verteilt und auch externe Dienstleister eingewiesen? Hier sollte auch kontrolliert werden, ob ggf. notwendige Qualifikationen und Zulassungen vorliegen (Sorgfaltspflicht!).
  • Liegen alle Genehmigungen vor? (Speziell auch daran denken, ob laute Veranstaltungen länger als bis 22 Uhr dauern)
  • Ist der Notfallplan bekannt?
  • Gibt es einen Evakuierungsplan?
  • Wer sind die Entscheidungsträger im Notfall?
  • Ist die Kommunikation strom- und internetunabhängig gesichert, wenn es zu einem Notfall kommt?
  • Gibt es Risiken und wie können sie minimiert werden? (Gäste, Fans, Technik, Feuer, Demos, Stromausfall, Wetter usw.)
  • Ist der Besucherabfluss am Ende der Veranstaltung gesichert?

Fazit: Für Sicherheitskonzepte gilt „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!“. Hier kann nicht oft genug überprüft werden, ob alles beachtet wurde. Ein wesentlicher Punkt ist auch der zeitliche Abstand zwischen Konzepterstellung und Event. Manchmal können Großbaustellen, Verkehrsunfälle o.ä. zu Straßensperrungen führen. Für jeden Plan A, muss es daher auch einen Plan B geben. Alle Eventualitäten kann man nie bedenken, es muss jedoch oberste Pflicht sein, so viele wie möglich aufzugreifen und zu berücksichtigen. Sollten kurz vor dem Event kleinste Zweifel am Sicherheitskonzept bestehen, sollte auch eine Absage in Erwägung gezogen werden. Auch wenn diese schmerzhaft ist, geht Sicherheit immer vor. Die Absagen von Karnevalsumzügen wegen schweren Stürmen sind traurige, aber auch gute Beispiele dafür.




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