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01.12.2022 16:00 Uhr
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Holetschek unterstützt Vorgehen gegen Versorgungsengpass in Kinderkliniken – Bayerns Gesundheitsminister beriet am Donnerstag in einer Videokonferenz mit Expertinnen und Experten der Kinder- und Jugendmedizin über Lösungswege

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek unterstützt die Maßnahmen der Krankenhäuser gegen den aktuellen Versorgungsengpass in Kinderkliniken und -intensivstationen. Der Minister betonte am Donnerstag in München nach einer gemeinsamen Videokonferenz mit Expertinnen und Experten der Kinder- und Jugendmedizin: „Die akute Welle an Erkrankungen stellt die Kinderkliniken und -intensivstationen vor große Herausforderungen. Es herrscht derzeit eine absolute Ausnahmesituation. Klar ist: Alle Beteiligten müssen rasch gegen die aktuellen Behandlungsengpässe vorgehen.“

Holetschek berichtete: „Die Expertenrunde hat heute verdeutlicht: Das Problem liegt weniger im ärztlichen Bereich als vielmehrbei den fehlenden Pflegekräften. Die Kliniken müssen die zur Verfügung stehenden Kapazitäten bestmöglich nutzen und alle vertretbaren Maßnahmen zur Besserung der Lage ergreifen. Teilweise kann es sinnvoll sein, vorübergehend auf Pflegepersonal von Erwachsenenstationen zurückgreifen, damit sich die Kinderkrankenpflegekräfte auf die jüngeren Patientinnen und Patienten konzentrieren können. Angesichts der aktuellen Umstände müssen die Kliniken auch befristet von der Pflegepersonaluntergrenze abweichen. Die Kliniken können sich hier auf den Ausnahmetatbestand der einschlägigen Bundes-Verordnung berufen. Denkbare Maßnahmen sind darüber hinaus die Unterbringung der Kinder auch über Nacht in der Tagesklinik, die Rückkoppelung der Klinik mit den niedergelassenen Ärzten und der Bitte um kritische Prüfung, was aktuell unbedingt stationär erfolgen muss, sowie schließlich auch die Rückstellung aufschiebbarer Eingriffe.“

Teilnehmer der Videoschalte waren Vertreterinnen und Vertreter der Verbände der Kinderärzte und Praktiker aus Kinderkliniken sowie Infektiologen. Dr. Michael Hubmann, 2. stellvertretender Landesvorsitzender des Landesverbands Bayern des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, betonte: „Nach fast 3 Jahren Dauerbelastung sind auch die Teams in den kinder- und jugendärztlichen Praxen an ihrer Belastungsgrenze: insofern brauchen wir aktuell ein gemeinsames Handeln für Praxen und Kliniken, aber auch ein mittel-und langfristiges Konzept. Aktuell brauchen wir eine Erweiterung der Point of Care Diagnostik in den Praxen, eine stabile Liefersituation an Basis-Medikamenten und eine Entlastung von vermeidbaren Attesten. Kinderheilkunde ist Daseinsvorsorge und kein reiner ‚Kostenfaktor‘! Wir sind Minister Holetschek dankbar, mit Praxen und Kliniken zusammen nach Lösungswegen zu suchen.“

Der Minister appellierte zudem an alle Pflegekräfte, die aktuell nicht in diesem Beruf arbeiten: „Unterstützen Sie uns! Die aktuelle RSV-Welle trifft die beruflich Pflegenden mit voller Wucht – das gilt insbesondere für Kinderpflegerinnen und -pfleger! Jede weitere helfende Hand zählt.“ Holetschek erläuterte: „Wir brauchen auch die Unterstützung der Eltern. Machen Sie von der telefonischen Krankschreibung für die Schulen und Kitas Gebrauch. Wir können die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte auch dadurch unterstützen, dass sie nicht für jedes kranke Kind ein Attest schreiben müssen.“

Holetschek betonte: „Ich werde mich auch beim Bund dafür einsetzen, die überbordende Bürokratie rasch abzubauen. Die Hand am Bett ist wichtiger als die am Schreibtisch. Wir brauchen ein zumindest befristetes Bürokratie-Moratorium auf Bundesebene. Dabei geht es nicht darum, zwingend nötige Informationen über Bord zu werfen, sondern mehrfache Dokumentationen zu vermeiden und wo immer möglich Erleichterungen zu schaffen. Die Sicherstellung der Versorgung der kleinen Patientinnen und Patienten muss oberste Priorität haben – und nicht unnütze Bürokratie.“

Holetschek fügte hinzu: „Trotz der dramatischen Lage kann ich Ihnen nach meinem heutigen Austausch mit den Kinder- und Jugendärzten versichern: Jedes Kind in Bayern wird behandelt. Die Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist in Bayern mit dem stationären Leistungsangebot in ‚normalen‘ Zeiten auf hohem Niveau gewährleistet. In Bayern gibt es mit 43 Krankenhäusern mit der Fachrichtung Kinder- und Jugendmedizin bzw. Kinderchirurgie ein engmaschiges Netz einander ergänzender Kliniken für die Versorgung somatisch kranker Kinder und Jugendlicher. Daneben werden auch in Krankenhäusern ohne ausgewiesene Pädiatrie-Abteilung Kinder und Jugendliche auf hohem Niveau versorgt. Die Corona-Pandemie hat eines gezeigt: Die Kliniken wissen, wie der medizinische Betrieb in Krisenzeiten in ihren Häusern organisiert werden muss. Hier hilft kein kurzfristiger Aktionismus, sondern das beherzte Zupacken der Pflegerinnen und Pfleger und der Ärztinnen und Ärzte vor Ort. Wo notwendig, stehen zudem die in der Krise bewährten Organisationsstrukturen zur Verfügung, die im Bedarfsfall die Befugnis zur Steuerung der Patientenströme haben.“

Der Minister ergänzte: „Die aktuelle RSV-Welle offenbart wie unter einem Brennglas, vor welchen Herausforderungen die Kinderkliniken in Deutschland stehen. Die aktuellen Maßnahmen der Kliniken können kurzfristig Abhilfe schaffen. Klar ist aber: Wir brauchen auch mittel- und langfristig Lösungen, um die Lage zu verbessern!“

Holetschek unterstrich: „Die Beschäftigten in der Kinderheilkunde leisten täglich Großartiges – dazu gehören die Ärztinnen und Ärzte, die Pflegekräfte in den Kliniken und auch die medizinischen Fachangestellten in den Praxen. Aber auch hier ist der Personalmangel deutlich zu spüren. Die Arbeitsbedingungen müssen auch in diesem Bereich dringend verbessert werden.“

Holetschek forderte die Bundesregierung auf, Kinderkliniken besser zu finanzieren. Er sagte: „Die Kinderheilkunde wurde viel zu lange als Wirtschaftsbetrieb verstanden, soll gewinnbringend betrieben werden. Das funktioniert nicht. Wir dürfen Kinderheilkunde nicht als Kostenfaktor sehen, sondern vielmehr als Daseinsvorsorge.“

Der Beitrag Holetschek unterstützt Vorgehen gegen Versorgungsengpass in Kinderkliniken – Bayerns Gesundheitsminister beriet am Donnerstag in einer Videokonferenz mit Expertinnen und Experten der Kinder- und Jugendmedizin über Lösungswege erschien zuerst auf Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege.


Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und PflegeMünchen

Quellenangaben

www.stmgp.bayern.de/

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