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05.02.2019
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Drei : Dekonstruktion = „Unspektakulär Verändert“

Bodenmais „Wieso sind aller guten Dinge drei, weshalb geht es erst bei drei los und warum muss ich immer alles dreimal sagen?“ Diese und andere Fragen versprach Gerti Gehr am Sonntag im Rahmen ihres Kabarett-Abends zu beantworten. Sie musste einen Nerv getroffen haben: Trotz Schneechaos und widrigen Straßenverhältnissen fanden rund 40 Zuschauer ihren Weg auf die GutsAlm Harlachberg in Bodenmais.

 

Ein bisschen war es dann aber wie das berühmte „Warten auf Godot“: Die wuschelhaarige Wahl-Lindbergerin mit Wurzeln in Kallmünz dachte nämlich überhaupt nicht daran, der Mystik zu viel Platz im Alltag zu geben, den sie „Unspektakulär Verändert“ betrachten wollte. Auch Strukturalismus, Konsumwahn, Technikgläubigkeit und die moderne Medienwelt wurden gekonnt abstrus in ihre Schranken verwiesen.  

 

Gehrs Performance ist viel eher Kleinkunst als Kabarett. Nach dem ausgestellten Bühnenaufbau mit Tisch, Stuhl, Wasserglas, drei Wäscheklammern, ein paar Bällen und einem Whiteboard folgte der quirlige Soundcheck. Das Publikum war angehalten, einen Gemeinplatz aus dem Kasperle-Theater zu reaktivieren: „Kinder, seid ihr alle da?“ Was Gehr nun aber anstimmte, war ein affirmatives oberpfälzisches „Dou!“ - und das im Kanon. Theaterpädagogin Petra Scholz hat das Programm gemeinsam mit der Künstlerin erarbeitet und trat nun als Regisseurin auf. Ihr oblag es, dem Aufführungskonzept Nachdruck zu verleihen: „Nein Gerti, im Plan steht nur ‚Begrüßung‘, nicht, dass du die Leute einzeln willkommen heißen sollst.“ Gewissenhaft stimmte die Mittvierzigerin zu. Man wolle ja schließlich alles richtig machen.

 

 

Es kam zu einem Persönlichkeitswechsel: Als Dozentin kündigte Gehr einen Vortrag zur Digitalisierung an, der krankhaft entgleiste. Ihre Worte wurden wirr und unverständlich, minutenlang wand sie sich und trug einen pantomimischen Kampf mit der Technik aus, die den Menschen im sozialen Netzwerk verstrickt. Ein Griff in den Schritt und die blaue Jeans wurde zur Baggy Pants. Sie unterstrich den „Thermomix-Rap“. Drei Stufen, drei Portionen. Das Küchengerät verwöhnt Geist, Körper und Seele. Die Heilige Dreieinigkeit allerdings ist es nicht: „De Höllenmaschin‘ werkelt dahi‘!“ quittierte Gehr schnipsend und handwedelnd. Ob beim Anfeuern zum Dauerlauf oder dem Aufhängen des (imaginär) regennassen T-Shirts - immer wieder kam das Plenum zur Hilfe. Stets zart und berührend folgten Gehrs gestischen Ausbrüchen dann eigene Gedichte. Sie hielten dazu an, still zu werden, die eigene Melodie zu finden, sich selbst näher zu kommen und Ja zum Leben zu sagen, auch, wenn dies ein Nein-Sagen bedeutet.

 

Als sie konzeptgemäß zu möglichen Fragen aufrief und sich niemand melden wollte, wählte die Künstlerin drei Teilnehmer für eine Podiumsdiskussion aus - allerdings durften sie nur mit „Pa-Pam“, rhythmischem Schenkelklopfen und „Puru-pu-pu“ auf die durchaus hintersinnigen Fragen antworten. Dieser TV-Persiflage folgten einige Dreisätze auf dem Whiteboard, die an Prätentiösität nicht mehr zu überbieten waren. Gehr folgerte: Thermomix : Siri = Happy Life; Facelift : L’Oréal Diamond = Sexy Forever; Bachelor : Auslandssemester = Erfolg ohne Ende, Audi RS4 : Fairtrade = Standing Ovations!

 

Dass die Zahl drei nur symptomatisch beobachtet wurde, die drei mitgebrachten Jonglierbälle ihre Daseinsberechtigung nicht erfüllen durften und die Zugabe zum stummen „Rewind“ des kompletten Stücks geriet, das nahm die Zuhörerschaft Gehr letztlich nicht krumm. Wann wird man kurzerhand schon einmal so herrlich sentimental zum „Wegbegleiter“ stilisiert?


- pw


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