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17.01.2019
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Unterwegs mit Schäfer Florian Heyn

Das Leben von Wanderschäfern ist weniger romantisch oder idyllisch als es sich so manch Außenstehender vorstellen möge. Wanderschäfer Florian Heyn hat insofern ein freies Leben, als dass er sich viel in der freien Natur aufhält. Die Abläufe seiner langen Arbeitstage sind jahreszeit- und witterungsabhängig und werden durch Sachzwänge vorgegeben, die sein Schäfereibetrieb mit sich bringt. An erster Stelle steht dabei die tägliche Versorgung seiner Tiere mit qualitativ hochwertigem und ausgewogenem Grünfutter.

 

Herr Heyn, wie viele Schafe befinden sich aktuell im Winterquartier in Neuschönau?

Aktuell halten wir 560 Mutterschafe in Neuschönau. Mit Einsatz der ersten Schneefälle bringen wir die die Schafe zurück ins Winterquartier. Sie sind jetzt seit etwa drei Wochen hier.

Wie lange bleiben sie im Winterquartier, was geschieht während dieser Zeit?

Meistens begeben wir uns so Mitte April auf Wanderschaft zu den Sommerweiden. Ende Februar, Anfang März ist erstmal das Scheren der Schafe angesagt. Unsere 560 Mutterschafe bringen etwa 1.500 kg Wolle. Das Scheren übernimmt eine polnische Scherenkolonne. Fünf Männer schaffen das in einem Tag. Die Wolle verkaufen wir an einen Wollhändler aus der Oberpfalz. Ende März beginnt dann die Lammzeit.

Ist dieser Zeitpunkt bewusst gewählt?

Ja. Das Bocken findet bei uns deshalb im Oktober statt. Wenn die Schafe Ende März lammen, können wir davon ausgehen, dass die meisten Lämmer schon kräftig genug sind, wenn wir uns Mitte April auf den Weg zur Sommerweide machen. Wir haben hier am Hof in Neuschönau etwa 60 bis 80 Ablammboxen. Darin halten sich die Mutterschafe und ihre Lämmer drei bis vier Tage nach dem Lammen auf, um sich aneinander zu gewöhnen. Damit sie später bei der Wanderschaft ein starkes Gefühl der Zusammengehörigkeit haben.

 

Wie viele Lämmer bekommt ein Schaf?

Meistens eins. Es kommt aber auch immer wieder vor, dass Zwillings- oder sogar Drillingsgeburten anstehen. Das ist dann immer etwas heikel, weil ein Mutterschaf nur zwei Zitzen hat. Das heißt, wir müssen pro Jahr etwa 30 bis 40 Lämmer mit der Flasche aufziehen. Manchmal nimmt auch eine unserer Ziegen das Lamm an und säugt es.

Und dann geht es endlich ab zur Sommerweide?

Ja. Dann machen wir uns auf den Weg nach Freyung, zur Sommerweide am Truppenübungsplatz. Zwei bis drei Tage sind wir von Neuschönau aus unterwegs, dann haben wir unser Ziel erreicht. Alle sechs bis acht Wochen wechsle ich mit den Schafen zwischen Freyung und unserer zweiten Sommerweide in der Mauth hin und her. Das geht so bis Mitte, Ende Oktober.

 

Wie sieht so ein typischer Tag eines Schäfers aus, welche Aufgaben stehen an?

Während die Schafe auf der Fläche stehen und fressen, bleibt mir Zeit, die Herde und das Umfeld aufmerksam und intensiv zu beobachten. Was für Außenstehende oft wie ein gelangweiltes oder meditatives Herumstehen aussieht, ist in Wirklichkeit ein hochkonzentriertes Prüfen jeden einzelnen Herdentieres auf Auffälligkeiten, die auf Krankheiten hindeuten könnten. Außerhalb der Fresszeiten, während die Schafe wiederkäuen und verdauen, muss ich dann die Tiere, die mir während des Hütens aufgefallen sind, einfangen, untersuchen und eventuell behandeln. Außerdem sind die Pausenzeiten auch die Zeiten für die professionelle Klauenpflege und Klauenbehandlung. Am Abend werden die Schafe in einen Pferch aus stromführenden Weidenetzen eingezäunt, in dem sie dann über Nacht bleiben. Zusätzlich verbleiben zum Schutz der Herde unsere beiden Herdenschutzhunde bei den Schafen.

Und im Herbst geht es dann auf Wanderschaft, bis der erste Schnee fällt?

Genau. Viele Landwirte überlassen mir bzw. den Schafen dankenswerter Weise in dieser Jahreszeit gerne den nach der sommerlichen Vegetationsperiode entstandenen Restaufwuchs ihrer Grünflächen. Eine größere Schafherde hat noch den positiven Effekt, eine Menge wertvollen Grünflächendünger auf den Weideflächen zu hinterlassen. Wir wandern dann zu Weideflächen nach Schönbrunn am Lusen, nach Neuschönau, von dort nach Großarmschlag, Eppenschlag bis nach Innernzell. Weiter geht es nach Eberhardsreut, von dort Richtung Haus im Wald, weiter nach Grafenau, bis wir schließlich irgendwann im Winterquartier hier an unserem Hof ankommen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.


- sh

Schäfer Florian HeynViehzucht | Neuschönau

Quellenangaben

Fotos: Stefan Behringer, Stephen Hahn
Text: Stephen Hahn



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