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11.10.2018
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Regionales Handwerk: Klaus Schuster, Kaminkehrermeister

Wer verbindet nicht mit dem Anblick eines Kaminkehrers den Gedanken an einen Glücksboten. In jedem von uns steckt doch ein bisschen Aberglaube. Klaus Schuster aus Hohenau ist Kaminkehrermeister und erzählt im Interview mit WAIDLER.COM von seinen Aufgaben als Schornsteinfeger und Glücksbringer.

 

Herr Schuster, Sie sind der von der Regierung von Niederbayern bestimmte Kaminkehrer für den Kehrbezirk Freyung. Seit der Liberalisierung des Marktes 2013 dürfen auch freie Kaminkehrermeister die anfallenden Arbeiten übernehmen. Wie schaut es aus mit dem Wettbewerbsdruck?

Ach, das wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Es gibt bei uns genau einen freien Kaminkehrer. Die meisten Nachwuchskräfte wollen heute lieber angestellt als selbstständig sein. Denn das bedeutet halt nun mal selbst und ständig, da ist nicht um 17 Uhr Feierabend, da warten die Büroarbeit, Wochenenddienste. Und außerdem gibt es weiterhin Aufgabenbereiche, die nur von den für den Bezirk bestimmten Kaminkehrern ausgeführt werden dürfen.

 Kaminkehrermeister Klaus Schuster beim Dachaufstieg

 

 

Welche da sind?

Zunächst einmal die Feuerstättenschau, also der Sicherheitscheck für Öfen und Kamine. Dann dürfen nur die für den Bezirk bestimmten Rauchfangkehrer Feuerstättenbescheide ausstellen. Das betrifft die Zeiträume, in denen die Feuerstätten geprüft werden, etwa ein Kamin zweimal jährlich. Und schließlich dürfen nur wir Bauabnahmen von neuen Heizungen machen.

 

Was sind denn heute die klassischen Arbeiten eines Kaminkehrers?

Das ist heute ein sehr moderner Beruf, die Ausbildung ist sehr vielseitig.  Kurz und knapp gesagt, sorgen wir für die Sicherheit der Bürger. Es hat viel mit Überprüfung zu tun, mit theoretischem und technischem Fachwissen. Kundenähe und Beratungsgespräche sind an der Tagesordnung. Für viele unserer Kunden sind wir auch eine Art Seelsorger, oftmals der einzige Ansprechpartner an einem Tag.

 Abgaswegeüberprüfung

 

 

Wenn ich an einen Kaminkehrer denke, erscheint vor meinem imaginären Auge ein schwarz gekleideter Mann mit verrußtem Gesicht, Zylinder auf dem Kopf und Werkzeug über die Schulter gehängt.

Jaja, das ist heute auch noch so. Wir führen ja regelmäßig Kehrarbeiten in den Haushalten durch. Wir steigen nach wie vor aufs Dach, lassen die Kugel samt Edelstahlbürste hinunter in den Kamin und befreien ihn damit vom Ruß. Kamine von Öl- und Gasöfen können wir mittlerweile auch von unten mit einer Haspel reinigen. An den Heizungsanlagen führen wir sicherheitstechnische Abgaswegeüberprüfungen durch, wir machen Immissionsschutzmessungen und beraten in feuertechnischen Fragen.

 Dachkehrung

 

 

Warum bringt es angeblich Glück, wenn man einem Kaminkehrer begegnet?

Das kommt aus der Zeit, als die Häuser noch Mauer an Mauer standen. Die Kamine waren aus Holz. Wenn es dann gebrannt hat, war der Schaden immens. Erst durch den Beruf des Kaminkehrers ist die Anzahl der Brände massiv zurückgegangen. Die Rauchfangkehrer entfernten den Ruß und das Pech aus den Kaminen, so dass diese weitaus weniger Feuer fingen. Das diente damals einzig und allein der Sicherheit, der Vorsorge. Und so ist es noch heute.

 

Und dennoch ist der Aberglaube weiterhin verbreitet, der Kaminkehrer als Glücksbringer.

Auf jeden Fall. Gerade Menschen mit einer Pechsträhne bitten mich immer wieder um ein Kaminkehrer-Manschkerl oder unseren Schornsteinfeger-Glückspfennig. Viele wollen, dass ich bei ihrer Hochzeit in voller Montur Spalier stehe. Und es gibt immer wieder Leute, denen ich auf der Straße begegne, die mich anfassen, an meinen Knöpfen drehen oder wollen, dass ich sie schwarz mache. Das ist für manche fast wie eine Segnung.

 

Vielen Dank für das Gespräch.


- sh

Kaminkehrermeister Klaus SchusterHohenau

Quellenangaben

Fotos: Klaus Schuster
Text: Dr. Stephen Hahn



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