Wie wählt ein Specht eigentlich den passenden Baum für seine Höhle aus? Es gibt Hinweise darauf, dass Bäume, deren Holz bereits durch Pilze geschwächt wurde, besonders beliebt bei den Tieren sind. Wie eng Spechte und holzzersetzende Pilze tatsächlich miteinander verbunden sind, will der bayerische Naturschutzverband LBV, Landesbund für Vogel und Naturschutz, jetzt gemeinsam mit der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft, BMG, und der Universität Bayreuth im Rahmen eines neuen bürgerwissenschaftlichen Projekts herausfinden.
LBV Projektmanagerin Lotte Krüger lädt alle Bürgerinnen und Bürger in ganz Bayern dazu ein, beim nächsten Spaziergang genau hinzusehen und darauf zu achten, ob an einem Baum mit Spechthöhle auch ein Pilz wächst. Jede Beobachtung ist ein aktiver Beitrag zur Forschung. Meldungen sind unter lbv.de/spechthoehle-melden möglich.

Spechthöhlen und Baumpilze an einem alten Baum zeigen, wie eng Pilze und die Lebensräume von Spechten miteinander verbunden sein können
Spechthöhlen sind wichtige Kleinstlebensräume und spielen eine Schlüsselrolle für die Artenvielfalt. Denn sie dienen nicht nur Spechten selbst als Brut- und Schlafplatz, sondern werden später auch von zahlreichen anderen Tierarten genutzt, darunter Fledermäuse, Siebenschläfer, Meisen oder Totholzkäfer. Pilze leisten bei der Entstehung von Spechthöhlen oft einen entscheidenden Beitrag. Viele Spechtarten profitieren davon, dass holzzersetzende Pilze das Holz weicher machen. Das erleichtert den Bau einer Höhle.
Besonders spannend ist die Vorgehensweise des Schwarzspechts: Zunächst hackt er nur eine kleine, flache Mulde in den Baum. Dort dringen mit der Zeit Feuchtigkeit und Pilzsporen ein und machen das Holz weicher. Erst Jahre später erweitert der Schwarzspecht die Stelle zu einer Bruthöhle. Der deutlich kleinere Kleinspecht ist dagegen beispielsweise von Anfang an auf weiches, bereits stark zersetztes Holz angewiesen, weil sein Schnabel weniger kräftig ist.

Ein Weißrückenspecht an einem Baumstamm mit Höhle und großem Baumpilz.
Noch nicht genau bekannt ist laut LBV, welche Pilzarten an Höhlenbäumen vorkommen, welche Baumarten besonders häufig betroffen sind und wie häufig Höhlenbäume tatsächlich durch Pilze besiedelt werden. Mit Hilfe des Meldeprojekts soll dies erstmals in größerem Umfang untersucht werden. Der LBV erhofft sich dadurch neue Erkenntnisse für den Arten- und Lebensraumschutz und möchte gleichzeitig mehr Menschen für die verborgene Vielfalt der Pilze begeistern.
Beobachtungen können unter lbv.de/spechthoehle-melden gemeldet werden.

LBV-Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V
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