Die Jagd auf den Gänsesäger soll weitergehen. Die beim Bezirk Oberbayern angesiedelte Fachberatung für Fischerei hat einen entsprechenden Antrag gestellt, um die Jagd auf den Wasservogel an drei Flussabschnitten in Oberbayern fortzuführen. Der bayerische Naturschutzverband LBV, der Bund Naturschutz in Bayern und die Ornithologische Gesellschaft in Bayern kritisieren diesen Antrag scharf. Die drei Verbände kündigen Widerstand an, sollte der Antrag genehmigt werden, und wollen in einem solchen Fall mit rechtlichen Mitteln gegen die weitere Bejagung vorgehen.
Nach Angaben der Verbände liegen die Ergebnisse des bereits abgeschlossenen Projekts der Landesanstalt für Landwirtschaft zum Thema Gänsesäger und Äsche noch nicht vor. Dennoch solle die Bejagung des Gänsesägers nach den Vorstellungen der Fachberatung für Fischerei bis 2031 weitergehen. LBV-Geschäftsführer Helmut Beran bezeichnet eine Fortsetzung der Abschüsse als inakzeptabel und fordert ein Ende der Bejagung.
Die drei Verbände kritisieren insbesondere die Vorgehensweise der Fachberatung für Fischerei. Nach ihrer Darstellung werde versucht, ohne Beteiligung der Öffentlichkeit und der Verbände eine Genehmigung für weitere Abschüsse zu erhalten. Dr. Christine Margraf, BN-Artenschutzexpertin und stellvertretende Landesbeauftragte, sieht den Gänsesäger weiterhin als Sündenbock für schlechte Fischbestände. Aus Sicht des BN sei die Renaturierung der Fließgewässer die dauerhaft wirksame Schutzmaßnahme für Fische.
Nach Angaben der Ornithologischen Gesellschaft wird der Brutbestand des Gänsesägers in Bayern auf rund 500 Brutpaare geschätzt. Im bisherigen Projekt seien bereits rund 700 Vögel geschossen worden. Der Vorsitzende der OG Bayern, Marc Kurzmann, kritisiert deshalb den Antrag auf weitere Abschüsse an drei Gewässerabschnitten über einen Zeitraum von fünf Jahren scharf.

Ein Gänsesäger am Ufer eines Gewässers. Die weitere Bejagung der Wasservögel an bayerischen Alpenflüssen sorgt für Kritik von Naturschutzverbänden.
Der Gänsesäger kommt in Bayern als Brutvogel nur südlich der Donau vor. Als Nahrungsgrundlage dienen ihm vor allem Fische. Dies kann in Einzelfällen zu Konflikten mit Fischern führen. Um Lösungen für einen nachhaltigen Schutz von Gänsesägern und bedrohten Fischarten zu finden, wurde nach einem Landtagsbeschluss 2019 ein Projekt mit einer Arbeitsgruppe aus Behörden- und Verbandsvertretern aus Fischerei, Naturschutz und Wissenschaft gestartet.
Das Projekt wird vom Institut für Fischerei an der Landesanstalt für Landwirtschaft geleitet und nach Angaben der Verbände mit 800.000 Euro vom Landwirtschaftsministerium unterstützt. Im Rahmen des Projekts wurden in den vergangenen Jahren bereits rund 700 Gänsesäger außerhalb der Brutsaison von August bis März an bayerischen Alpenflüssen geschossen, insbesondere an der Mittleren Isar.

Ein ausgewachsener Gänsesäger mit mehreren Jungvögeln an einem Gewässer. In Bayern wird der Brutbestand nach Angaben der Ornithologischen Gesellschaft auf rund 500 Brutpaare geschätzt.
LBV, Bund Naturschutz und die Ornithologische Gesellschaft traten im Juni 2024 unter Protest aus der projektbegleitenden Arbeitsgruppe aus. Als Grund nannten sie eine aus ihrer Sicht mangelnde wissenschaftliche Aussagekraft der bisherigen Maßnahmen.

LBV-Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V
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