Mit einem Protestbanner haben Aktive sowie die Verbandsspitze des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) gegen den Baubeginn eines Sessellifts am Scheidtobel sowie gegen geplante Pistenmaßnahmen im Bereich Bierenwang und Walsergund protestiert.
Nach Ansicht des LBV versucht die Fellhorn-Bahn mit dem Start der Bauarbeiten, noch vor einer ausstehenden Gerichtsentscheidung Fakten zu schaffen. Der Verband hat deshalb bereits am 26. März 2026 beim Verwaltungsgericht Augsburg Klage gegen den Sofortvollzug der genehmigten Maßnahmen eingereicht. Eine Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet.
Der geplante Neubau sieht vor, die Talstation des Sessellifts rund 100 Meter talwärts zu verlegen und die Bergstation etwa 220 Meter höher zu errichten. Zusätzlich sind Erweiterungen der Pistenflächen an der Bierenwang- und der Walsergundabfahrt vorgesehen.

Mit einem Protestbanner demonstrierten Vertreter des LBV gegen die begonnenen Bauarbeiten am Fellhorn.
Der LBV vertritt die Auffassung, dass es sich dabei nicht um ein Ersatzvorhaben, sondern um eine Neuschaffung von Ski-Infrastruktur handelt. Nach Einschätzung des Verbandes stehen die Maßnahmen im Widerspruch zu den Vorgaben des Alpenplans sowie des Bodenschutzprotokolls der Alpenkonvention.
Besonders kritisch sehen die Naturschützer die Auswirkungen auf das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn. Als mögliche Folgen werden Schneeverdichtung, der Verlust von Winterlebensräumen, Störungen an Balzplätzen, Beeinträchtigungen während der Bauphase sowie die Zerschneidung von Lebensräumen genannt.
Darüber hinaus verweist der LBV auf weitere geplante Vorhaben im Gebiet, darunter einen größeren Schneiteich beim Kanzelwandhaus sowie einen zusätzlichen Swisscord-Lift. Der Verband fordert, sämtliche Maßnahmen in einem gemeinsamen Verfahren zu bewerten, um die Auswirkungen auf Natur und Landschaft umfassend beurteilen zu können.

Der LBV kritisiert die begonnenen Bauarbeiten am Fellhorn und fordert eine gerichtliche Klärung vor weiteren Eingriffen.
Teilflächen der geplanten Baumaßnahmen liegen innerhalb des Naturschutzgebietes Allgäuer Hochalpen sowie in europäischen FFH- und Vogelschutzgebieten. Das Gebiet zählt zu den bedeutendsten Lebensräumen des Birkhuhns in Bayern.
Bereits im vergangenen Jahr hatte der LBV kritisiert, dass durch gesetzliche Änderungen für den Neubau der Sesselbahn keine Umweltverträglichkeitsprüfung mehr erforderlich sei. Nach Ansicht des Verbandes werden dadurch Umweltstandards in einem besonders sensiblen Naturraum geschwächt.
Der LBV betont, dass Bayern für den Erhalt vieler alpiner Tier- und Pflanzenarten eine besondere Verantwortung trage. Der Verband kündigte an, sich weiterhin gegen aus seiner Sicht unzureichend geprüfte Eingriffe in die hochsensiblen Ökosysteme der Alpen einzusetzen.

LBV-Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V