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« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 31.08.2015 von Stephen Hahn | 1814 Klicksteilen auf

SommerSpezial (5): Der Wald und seine Menschen

Auf seiner Sommertour begibt sich Stephen Hahn auf Spurensuche in den
Bayerischen Wald, um Menschen zu begegnen, mit ihnen zu wandern und über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Wald zu sprechen. In einem mehrteiligen SommerSpezial berichtet er exklusiv auf WAIDLER.COM über den Wald und seine Menschen, die Menschen und ihren Wald. Dabei trifft er Menschen, die aus den unterschiedlichsten Motiven in ihrem Leben mit dem Wald verbunden sind: ökonomisch, kulturell-künstlerisch, ideologisch motiviert oder einfach qua Geburt.

Der Wald, die Menschen und die Kultur gehören zusammen. Und zur Kultur zählt die Kunst, die Kreativität. Der Wald inspiriert seine Menschen oder zumindest die, die es zulassen. In der aktiven Kultur, also beispielsweise dem Malen, dem Schreiben, dem Musizieren, dem Theater spielen hat der Bayerische Wald stets viele kreative Köpfe hervorgebracht und in ihrem Schaffen beeinflusst.

 

Teill 5: Bastian Kalous und sein Wald

Heute begegne ich Bastian Kalous. Eigentlich arbeitet er als Krankenpfleger. Allein diese Beschäftigung wäre einer ausgiebigen Unterhaltung wert. Heute will ich jedoch mit ihm über sein Hobby, seine Leidenschaft sprechen: Bastian Kalous ist Sofortbildabenteurer.

Bastian Kalous hat schon lange ein gewisses Faible für Subkulturen. „Bis 2006 gab es in meinem Leben hauptsächlich Skateboard fahren, alles andere interessierte mich wenig“, beschreibt der 35-Jährige selbst die ihm bis dahin fehlende Identifikation mit seiner Heimat, dem Bayerischen Wald. Dann trat seine heutige Frau in sein Leben und es eröffneten sich im Wortsinne neue Perspektiven. Angeregt durch die Skateboard-Szene, deren Profis ihr reiches Repertoire an Tricks während der weltweiten Touren auf Videos und alten Polaroid-Filmen festhielten, entdeckten Kalous und seine Freundin selbst alte Polaroid-Sofortbildkameras und Filme in ihren Elternhäusern. Und daraus entwickelte sich eine Begeisterung, eine Leidenschaft für diese Technik des Fotografierens und vor allem entdeckte er seine Liebe zur Heimat, zum Bayerischen Wald.

„2011 waren meine Frau und ich vier Wochen in den USA unterwegs. Yosemite-Nationalpark, Yellowstone, Grand Canyon, was halt so dazu gehört. Aber als ich dann im Flieger nach Hause saß, war ich froh. Es öffnete mir die Augen, dass ich daheim vor der Haustür auch so ein Paradies habe. Natürlich ohne so hohe Berge, so weite Landschaften. Aber wenn man seine Augen und Sinne nur weit genug öffnet, kann man eine ähnliche Reise direkt vor der eigenen Haustür starten.“

Bastian Kalous benutzt u. a. eine 4×5 Laufbodenkamera Ebony SV45TI. Aufnahmeeinstellungen erfolgen hier mit einem Belichtungsmesser und außerdem einem Dunkeltuch. Zur Auswahl stehen drei Objektive.

 

Der Reiz der Sofortbildfotografie liegt für Bastian Kalous auch in der Unwägbarkeit, ob die alten Filme noch zu gebrauchen sind, ob diese nicht ausgetrocknet sind. Denn sie sind oft bereits abgelaufen und es dauert immer einige Zeit, bis er nach einer Aufnahme weiß, ob das Resultat zufriedenstellend ist. Das entschleunigt und hat nichts von der Fließbandproduktion an Bildern mit einer Digitalkamera gemein. Und der Ansporn findet sich für ihn auch in der Nicht-Perfektion der Bilder, ihrer Unschärfe und der nicht so intensiven Farben. Und damit bekommt sein Hobby eine eigene philosophische Komponente: Man denke an die Unberechenbarkeit des menschlichen Daseins, an das Besondere jedes einzelnen Menschen, an das Mantra eines Lebens im Hier und Jetzt.

„Unser Leben ist so schnell. Ich gehe nicht fotografieren, ich gehe wandern. Das ist mein Ausgleich. Da erlebe ich Natur, das öffnet mir die Augen. Im Wortsinne wie im übertragenen Sinne. Ich mach da keine großen Pläne. Ich weiß nicht, was passiert, ob ich mit Bildern zurückkomme. Ich suche mir am liebsten ganz einsame Plätze im Wald aus. Der Wald, seine Ästhetik verändern sich laufend. Das lädt mich zum Nachdenken ein.“

 

The Wanderer and The Sunset

„Es war ein Sommermorgen am Lusen, etwa 5.30 Uhr. Und es sah beim Aufstieg gar nicht nach Sommer aus: ein grauer und nebelverhangener Morgen kündigte sich an. Und innerhalb von 30 bis 45 Minuten hat der Wind den Nebel weggewachelt. Da habe ich dann mit Selbstauslöser diese Aufnahme gemacht. Und so ist es beim Fotografieren wie im Leben: Man muss damit leben, was kommt.“

 

Misty Labyrinth

„Ein regnerischer Herbsttag in der Nähe des Tummelplatzes bei Mauth. Ich mag diese Stimmung im Wald. Wenn die Bäume wie Striche aussehen. Und der Nebel, dieses Mystische … der Wald ruft ja bei vielen Menschen auch Urängste hervor.“

 

Auditorium

„Hier fotografierte ich in der Nähe von Altschönau. Wieder mit Selbstauslöser. Auf dem Stuhl im Bach, umgeben von Bäumen, da fühlte ich mich wie in einem Klassenzimmer. Die Natur lehrt mich in solchen Momenten so vieles, wenn ich nur aufmerksam zuhöre und hinsehe. Was erzählt der Bach? Die Natur regt meine Phantasie an!"

 

Old Winter Tree

„In den Schachten bei Frauenau. Das ist für mich persönlich einer der schönsten Landstriche. Ich mag Bäume. Diese Riesen, die schon so lang da stehen. Auch da hat jeder seine ganz individuelle Geschichte. Man muss die Natur so nehmen, wie sie ist. Sie erfindet sich immer wieder neu, wenn man sie in Ruhe lässt.“

 

Hide by Mother (Nature)

„Am kleinen Arbersee an einem Frühlingstag mit den wichtigsten Menschen in meinem Leben: meiner Frau und meiner Tochter. Und am wichtigsten Platz: in der Natur. Dieser Verbund macht das Bild für mich so wertvoll. Die erste Tour mit der kleinen Tochter. Ein neues Leben beginnt in und mit der Natur.“

 

Vielen Dank Bastian Kalous!



Quellenangaben

Fotos: Bastian Kalous; Stephen Hahn




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