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« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 15.02.2018 von Stephanie Bildl | 312 Klicksteilen auf

Andere Sprache, andere Kultur: Ausländische Arbeitskräfte integrieren - geht das?

Was empfinden Geflüchtete unterschiedlicher Nationen als „typisch deutsch“? Darf man einer aktuellen Studie des „Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ glauben, so ist „typisch deutsch“ ein fester Arbeitsplatz, der nicht nur das tägliche Brot auf den Tisch bringt, sondern eine gesicherte Zukunft ermöglicht. Gänzlich abseits des öffentlichen Bewusstseins leisten, so IQ-Netzwerkmanagerin Barbara Stadler von der Kreisentwicklungsgesellschaft ARBERLAND REGio GmbH, viele deutsche Unternehmen Basisarbeit in Sachen Integration und gelebte Willkommenskultur. Zu ihnen gehört auch das Vier-Sterne-Wellnesshotel „Refugium Lindenwirt“ in Drachselsried bei Bodenmais.

Der pakistanische Kochazubi im Refugium Lindenwirt.Der pakistanische Kochazubi im Refugium Lindenwirt.

Mit 60 Zimmern und Suiten, drei Apartments und insgesamt 125 Betten zählt das „Lindenwirt“ zu den größeren Spa-Häusern der Region. Sein Renommee begründet sich auf einem stimmigen Konzept aus Naturbelassenheit und Komfort, welches sich als roter Faden von der weitschweifigen Sauna- und Wasserwelt über die Gestaltung der Räume bis hin zur Kulinarik zieht. Was den Umgang mit Mitarbeitern anderer Nationalitäten anbelangt, so vertritt Hotelchef Christian Geiger eine eindeutige Position: „Die Gastronomie ist eine internationale Branche! Aufgeschlossenheit muss da noch nicht einmal politisch motiviert sein.“ Er selbst habe einige Jahre im Ausland verbracht und dort die Erfahrung gemacht, „dass jeder, der lernen möchte, sich die Ärmel hochkrempelt und mit einem Lachen auf Menschen zugeht, auch willkommen ist.“

Im September 2016 nahm Familie Geiger auf Vermittlung der vhs ARBERLAND erstmals einen unbegleiteten, minderjährigen Ausländer (UMA) unter ihre Fittiche. Sein Praktikumsplatz führte nahtlos in ein Ausbildungsverhältnis zum Koch. Für den Pakistani ein Kindheitstraum, den er mit Fleiß, Einsatz und Frohsinn verfolgte. Selbst anfängliche sprachliche sowie logistische Probleme ließen sich durch den Zusammenhalt der Belegschaft lösen, sodass der damals 17-Jährige zuverlässig und mit stabilen Leistungen die Berufsschule in Viechtach besuchen konnte. Nach dem Auszug aus seiner Wohngruppe und einigen Zwischenstationen fand er eine neue Heimat bei einem älteren Unterrieder Ehepaar, welches sich seither fürsorglich um den jungen Mann kümmert.

Der pakistanische Kochazubi zusammen mit Maria und Christian Geiger sowie dem ehemaligen Küchenchef/Ausbilder Martin Kriechbaum.Der pakistanische Kochazubi zusammen mit Maria und Christian Geiger sowie dem ehemaligen Küchenchef/Ausbilder Martin Kriechbaum.

Als ein Dreivierteljahr später der Abschiebebescheid ins Haus flatterte, war die Verzweiflung groß. „Trotz des anfänglichen Schocks bedeuten Nachrichten wie diese nicht das Ende“, weiß Barbara Stadler. Zunächst sei es wichtig, Ruhe zu bewahren und sich eingehend über einzuhaltende Fristen bzw. erforderliche nächste Schritte zu informieren. „Hier stehen das Ausländeramt des Landratsamts Regen und ich als IQ-Netzwerkmanagerin Ihnen jederzeit beratend zur Seite.“ Die Empörung der Hoteliers bleibt: „Die deutsche Asylpolitik sollte honorieren, wenn es einem jungen Menschen gelingt, sich innerhalb von fünf Jahren vom Analphabeten zum Berufsschüler zu mausern“, finden sie. Es würde - bei aller Notwendigkeit für Regularien - viel zu wenig auf den jeweiligen Menschen und seinen Integrationswillen eingegangen. Doch Familie Geiger und ihr Lehrling geben nicht auf: Unterdessen haben Sie Rechtsbeistand gesucht. Die Chancen stehen gut, obwohl Pakistan derzeit als sicheres Herkunftsland gilt.


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Quellenangaben

ARBERLAND REGio GmbH




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