Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren

Aktuelles

« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 23.11.2017 von Stephen Hahn | 859 Klicksteilen auf

Heimat-Musik: 40 Jahre und kein bisschen leise

Keiner von beiden hat das halbe Jahrhundert altersmäßig schon beendet, dennoch stehen Jochen Rössler und Maximilian Maier bereits seit 40 Jahren auf der Bühne und machen gemeinsam Musik. Mit verschiedenen Instrumenten und Bands, mal Rock, mal Jazz, auch Volksmusik. Eine Retrospektive ihrer 40-jährigen Beziehung ziehen die beiden Vollblut-Musiker im Interview mit WAIDLER.COM.

 

Seit 40 Jahren rockt Ihr zusammen die Bühnen. Wir kam es 1977 zum ersten gemeinsamen Auftritt, wie kamt Ihr überhaupt zur Musik?

Jochen Rössler (JR): Als kleines Kind bekam ich ein Schlagzeug geschenkt, das mich jedoch nicht interessierte. Wohl sehr zum Leidwesen meines Vaters Eckart, selbst leidenschaftlicher Musiker. Also meldete er mich 1977 bei Herrn Kleinschmidt in Waldkirchen zum Klarinette-Unterricht an. Ich hörte aber damals auch gern Musik, vor allem Abba und die Beatles.

Maximilian Maier, Jochen Rössler (v.l.): 40 Jahre gemeinsamen Musizierens

 

Maximilian Maier (MM): Auch mein Vater war damals schon ein großer Musikfan, besuchte Konzerte, hörte beispielsweise Louis Armstrong in der Nibelungenhalle in Passau live spielen. Zwei meiner Schwestern spielten Gitarre bzw. Akkordeon, und so hielten mich meine Eltern an, ein Instrument zu erlernen. Sie hatten wohl so eine Art Familienmusik im Hinterkopf. Also landete ich auch bei Herrn Kleinschmidt, und die Familienmusik Maier war komplett. Meine Klarinette war damals übrigens eine Leihgabe der Musikschule Waldkirchen.

JR: Unser erster gemeinsamer Auftritt war 1977. Maximilian und ich besuchten die erste Klasse. Die Lehrerin fragte, wer ein Instrument spiele. Wir meldeten uns beide. Es muss wohl in der Adventszeit gewesen sein, und ehe wir uns versahen, wurden wir schon von Klasse zu Klasse weitergereicht und spielten vor. Auch vor der Direktorin, Frau Hobelsberger.

 

Auftritt im Schützenheim Schiefweg 1979: links Jochen Rössler, rechts Maximilian Maier

 

Das Rössler‘sche Schlagzeug fristete also ein Schattendasein und staubte ein?

MM: Ganz im Gegenteil. Ich bin immer wieder zu Jochen gekommen und habe begonnen, Beatles-Lieder vom Tonband auf dem Schlagzeug zu begleiten. Den ersten Beat-Rhythmus hat sogar Jochen mir beigebracht.

JR: Ich hatte mal ein Jahr Unterricht in Passau. Ich weiß, dass ich vor jeder Stunde richtig geplärrt hatte. Schon als ich hörte, wie der Lehrer den Schüler vor mir herumkommandierte, war ich total fertig. Und dann ein Jahr nur Marschrhythmen auf der kleinen Trommel, furchtbar. Da habe ich wieder aufgehört.

MM: 1979 sind wir als Klarinettisten in die Jugendblaskapelle Waldkirchen eingetreten, später haben wir da auch mal Marschtrommel gespielt. Klarinetten-Unterricht hatten wir mittlerweile bei Eckart, Jochens Vater. Ich war schon immer eine Stunde vorher da, um Schlagzeug zu spielen. Am 18. Juli 1981 habe ich mir dann mein erstes eigenes Schlagzeug gekauft, alles von den eigenen Ersparnissen. Das kostete 2.024 DM plus Hocker 80 DM. Schlagzeug oder Mofa, so lautete damals die Entscheidung. Und ich musste meinen Eltern versprechen, dass ich „die Klarinette nicht hinten lass“.

Volksfest Waldkirchen 1978

 

JR: Zu der Zeit hast du auch deine erste Band gegründet und mich gefragt, ob ich Schlagzeug spiele. Denn du wolltest Gitarrist sein.

MM: Ja, meine Schwester hatte mir die Grundgriffe gezeigt. Und dann spielte ich zu Liedern von CCR, Jimi Hendrix, etc., die Platten waren zum Teil vom Schwager. Aus unserer ersten gemeinsamen Band entwickelte sich die zweite, die hatte auch einen Namen, Little Wing. Bass, Schlagzeug, Gitarre ... klassische Besetzung. Wir spielten Hendrix, Cream, ZZ Top. Unser erstes offizielles Konzert hatten wir Mitte der 1980er beim Faschingsball in der TSV-Turnhalle und gleich anschließend noch einen Auftritt im Gymnasium.

JR: Da waren wir aber auch schon vom Jazz angefixt. Wir besuchten Workshops von Joe Viera, der Jazzgröße schlechthin aus München und Gründer der Jazz-Wochen Burghausen. Er weihte uns in die Kunst der Improvisation mit der Klarinette ein, in die Harmonik, den Swing.

MM: Er brachte uns die große weite Welt nach Waldkirchen, wir fühlten uns wie in New York. Jazz war ja zu dieser Zeit im Bayerischen Wald nahezu unbekannt.

JR: Eckart organisierte ab und zu Konzerte im Baronkeller. Er hat Platten von Benny Goodman u. a. gekauft, unsere Väter nahmen uns mit zu Konzerten in die Niha oder nach Burghausen. Das war unser Zugang zu einer neuen, spannenden Welt. Bei uns daheim waren renommierte Jazzmusiker zu Gast wie Joe und Billy Piscatelle. Die haben bei uns musiziert. Joe hat sogar ein halbes Jahr bei uns im Gästezimmer gewohnt, bis er Hals über Kopf verschwand. Mir schenkte er sein Schlagzeug.

MM: Und ich durfte damals mit seinem Bassisten, Norman Rosen, proben. Er spielte Klavier, ich Schlagzeug. Aufregende Zeit.

 

Mit dem Trio Cabochon begann Anfang der 1990er eine neue Ära …

MM: … ja. Der musikalische Weg von Jochen und mir hatte sich zuvor für etwa vier Jahre gegabelt, Grund war v. a. die Ausbildung. Alex Poth, ein toller Musiker, fragte uns damals, ob wir mit ihm ein Trio wollten: Klavier, Schlagzeug, Bass.

JR: Ich war mit 18 auf Bass umgestiegen. So wie beim Schlagzeug dachte ich immer, da müsse man nicht üben (lacht). Vor allem wollte ich aber wieder mal was Neues machen, ausprobieren. Ab da traten wir wirklich viel auf, manchmal jeden Abend. Hotelbar Bad Griesbach, Salto Grafenau, dazu noch Konzerte mit unseren jeweiligen anderen Bands.

MM: Und dann spielten wir ab 1995 alle drei gemeinsam in der Petra Soden Band, 2004 hatten wir unseren ersten Auftritt mit Richie Necker & The Elevators.

Richie and The Elevators

 

JR: Wir drei haben einfach sauguad zamgschpuid. Wir hatten und haben eine gewisse Unbedarftheit. Da waren wir dann auf einmal auch für Musikgrößen wie Petra Soden oder Richie Necker interessant. Richie musiziert ja sonst hauptsächlich mit I DOLCI SIGNORI, die als die erfolgreichste und beliebteste Italo-Show hierzulande gelten. Oder spielt in Musicals mit.

 

Im Jahr 2006 begann Euer Flirt mit Flez Orange, der sich zu einer festen Beziehung entwickelt hat.

MM: Ich kannte Flez Orange von CD-Aufnahmen in meinem Tonstudio. Ich hatte mit Percussion und Schlagzeug bei Aufnahmen mitmischen dürfen. Kurze Zeit später haben sie mich dann gefragt, ob ich denn nicht bei ihnen einsteigen möchte. Und als die Bassistin aufhörte, gab es für mich nur einen, aber der hatte keine Zeit (lacht). Nein, Quatsch: Ich schlug natürlich sofort Jochen vor.

Flez Orange

 

JR: Ich hatte Flez Orange mal im Scharfrichterhaus gehört und war völlig begeistert. Das war kein Jazz, keine Volksmusik, einfach nur klasse. Da wusste ich sofort, dass ich auch mal gern in so einer Band spielen würde.

MM: Vor kurzem, Mitte November, hatten wir einen Auftritt mit Flez Orange. Da feierten Jochen und ich unser 40-jähriges, gemeinsames Bühnenjubiläum. Im Backstage-Bereich hingen Original-Zeichnungen von John Lennon an der Wand, einem unserer Idole. Da haben wir angestoßen auf unseren gemeinsamen 40er und auf die Beatles.

JR: Und auf unsere neue Live-CD mit Flez Orange.

 

Vielen Dank für das Gespräch.



Quellenangaben

Fotos: Jochen Rössler, Maximilian Maier, Stephen Hahn




Kommentare



⇑ nach oben