Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren

Aktuelles

« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 27.07.2017 von Stephen Hahn | 422 Klicksteilen auf

Sommer-Spezial (2): Auf Spurensuche im Nationalpark

Das diesjährige Sommer-Spezial befasst sich mit den Schönheiten und Reizen unserer Heimat, dem Bayerischen Wald. Ganz nach dem Motto „So schee is dahoam“ macht sich Stephen Hahn auf und erkundet in der mehrteiligen Serie verschiedene Facetten des Bayerischen Waldes – zur Nachahmung empfohlen für Jung und Alt, für Einheimische und Touristen.

 

Die Chance, einer Kreuzotter auf dem Kreuzotterweg im Nationalpark Bayerischer Wald zu begegnen, ist eher gering. Schon allein deshalb, weil die etwa 50 bis 70 cm langen Schlangen als extrem scheu gelten. Und dennoch lohnt es, sich auf Spurensuche zu begeben, zusammen mit Nationalpark-Rangerin Sandra de Graaf. Denn auch außerhalb des Tierfreigeländes in Neuschönau kann man, mit etwas Glück, Tiere in freier Wildbahn zu Gesicht bekommen, ihnen lauschen und Spuren entdecken, die sie auf ihren Streifzügen durch den Bayerischen Wald zurücklassen.

Kreuzotter (Rainer Simonis/Nationalpark Bayerischer Wald)

 

Der Kreuzotterweg ist ein Rundweg zwischen Riedlhütte im Westen, Neuschönau im Osten und Guglöd im Norden. Je nachdem, wo man sich zum Einstieg entscheidet, kann man Touren in unterschiedlicher Länge gehen. Immer geht es rund um das Kerngebiet Großer Filz und Klosterfilz.

 

Vögelgesänge zur Begrüßung

Wir stellen das Auto am Parkplatz Diensthüttenstraße ab. Genau gegenüber, auf der anderen Straßenseite, beginnt ein wunderbarer Teil des Kreuzotter-Rundweges. Sofort taucht man ein in die angenehm erfrischende Waldluft, was eine Wanderung auch an heißen Sommertagen zu einem erfreulichen Erlebnis macht. Sogleich erwartet die neugierigen Spurensucher ein Begrüßungskonzert: Die erfahrene Rangerin sensibilisiert meine Ohren auf die Gesänge von Zilpzalp, Eichelhäher, Tannenmeise und Buchfink. Der Zilpzalp oder Weidenlaubsänger scheint uns zu begleiten. Immer wieder hören wir in den nächsten Minuten seinen markanten Gesang, dem er auch seinen lautmalenden deutschen Namen verdankt.

Buntspecht (Rainer Simonis/Nationalpark Bayerischer Wald)

 

Totholz säumt den Weg der Wanderer, ganz getreu dem Motto des Nationalparks Bayerischer Wald: „Natur Natur sein lassen“. Das Totholz ist voller Leben. Die Stämme abgestorbener Buchen liefern beispielsweise Zunderschwämmen und vielen anderen Arten ausreichend Energie und Schutzraum. Oben auf den abgebrochenen Stämmen, geschützt von zackigen Holzsplittern findet der Habichtskauz seinen Nistplatz. Und auch verschiedene Spechtarten wie der Bunt-, Schwarz- oder Dreizehenspecht profitieren vom Totholz und legen dort ihre Bruthöhlen an. Ihre Löcher werden später von weiteren Tieren aufgesucht und genutzt, wie vom Sperlingskauz, von der Hohltaube oder der Fledermaus.

Habichtskauz (Rainer Simonis/Nationalpark Bayerischer Wald)

 

Eindrucksvolle Moorgebiete

Wie bereits erwähnt, führt der Kreuzotterweg entlang der Moorgebiete Großer Filz und Klosterfilz. Wichtige Voraussetzungen für die Entstehung von solchen Hochmooren, altbayerisch 'Filze', sind niedrige Temperaturen, erhöhte Niederschläge sowie ein gehemmter Wasserabfluss. Der Hochmoorkörper zeichnet sich durch undurchlässige, saure Torfschichten aus (dicker als fünf Meter). Hier am Rand, wo wir uns bewegen, spricht man vom Übergangsmoor. Der Triftkanal, der den Großen Filz von Nordosten nach Südwesten durchtrennt, diente einst der Holztrift. Am Rand des ehemaligen Triftkanals stößt man auf zahlreiche Biberfraßspuren: Abgenagte Birkenstämme, deren Reste wie akkurat gespitzte Bleistifte in der Natur noch stehen oder schon liegen. Der Biber schafft sich hier neue Lebensräume, in dem er das Wasser umleitet.

Moorgebiet Großer Filz, Triftkanal

 

Und immer wieder, in luftiger Höhe, begegnet man abgeknickten, entlaubten Zweigen und Ästen der Vogelbeere, Birke und Weide. Diese Fraßspuren sind schön älter, aus dem letzten Jahr, jedoch eindeutig einem Elch zuzuordnen, der durch den Großen Filz gezogen ist. Vereinzelt tauchen Elche in freier Wildbahn im Bayerischen Wald auf, eingereist wahrscheinlich aus dem Nationalpark Šumava. Dort gibt es eine größere Population am Moldaustausee. Als sogenannte Laub-Äser ernähren sie sich hauptsächlich von Zweigen, Blättern, Nadeln, Knospen und Rinde. Aufgrund seiner gewaltigen Körpergröße braucht ein Elch große Mengen an Nahrung: im Sommer bis zu 50 Kilo am Tag, im Winter mindestens 10 Kilo. Elche fressen überwiegend sehr energiereiche Nahrung, wie junge Baumtriebe und Wasserpflanzen, da frisches Laub wesentlich protein- und mineralreicher als Gras ist. Der Elch hat eine Kopf-Rumpf-Länge bis zu 3 Metern, eine maximale Schulterhöhe von 2,30 Metern und wiegt bis 800 Kilogramm. Charakteristisch für den Körperbau des Elches ist der kurze massige Rumpf mit seinen relativ langen Gliedmaßen. Der Brustkorb ist bei erwachsenen Tieren stark entwickelt und die Schulterpartie muskulös. Der stark entwickelte Brustkorb in Verbindung mit dem erhöhten Widerrist der Brustwirbelsäule schafft den charakteristischen „Elchbuckel“. Der Elch ist die weltweit größte Hirschart. Der aufmerksame Beobachter findet auch immer wieder Fichten, deren Rinde abgeschält ist. Hier waren Rothirsche am Werk.

Elch (Rainer Simonis/Nationalpark Bayerischer Wald)

 

Der weitere Weg führt über einen Bohlensteg durch das Moorgebiet. Faszination pur schafft die abwechslungsreiche Vegetation. Der Nationalpark Bayerischer Wald ist eine Schatzkiste der Biodiversität, der Artenvielfalt. Latschenkiefer, Moorbirke, Heidelbeere, Rauschbeere, Preiselbeere, Sonnentau, die Quirlblättrige Weißwurz … Augen und Ohren auf im Nationalpark Bayerischer Wald. Immer wieder aufs Neue ein wundervolles Erlebnis.



Informationen zur Firma/Organisation

Nationalparkverwaltung Sitz Grafenau
Ort:Freyunger Str. 2
D-94481 Grafenau
Telefon:+49 8552 9600 0
E-Mail:
Website:www.nationalpark-bayerischer-wald.de


Quellenangaben

Fotos: Rainer Simonis/Nationalpark Bayerischer Wald; Stephen Hahn




Kommentare



⇑ nach oben