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« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 14.07.2017 von Stephen Hahn | 1604 Klicksteilen auf

Sommer-Spezial (1): Bootwandern auf dem Schwarzen Regen

Das diesjährige Sommer-Spezial befasst sich mit den Schönheiten und Reizen unserer Heimat, dem Bayerischen Wald. Ganz nach dem Motto „So schee is dahoam“ macht sich Stephen Hahn auf und erkundet in der mehrteiligen Serie verschiedene Facetten des Bayerischen Waldes – zur Nachahmung empfohlen für Jung und Alt, für Einheimische und Touristen.

 

Kanutouren zählen zu den Abenteuern, für die sich Jung und Alt gleichermaßen begeistern. Eine gute Option für eine Bootwanderung bietet der Schwarze Regen. In der Stadt Regen kann man an der Einstiegstelle in Oleumhütte jederzeit mit einer Tour beginnen, entweder mit dem eigenen Boot oder man leiht sich eines vor Ort aus. Dabei unterscheidet man zwischen Kajak (Einsitzer) und Canadier (für zwei bis drei Personen).

 

Als ungeübter Paddler empfiehlt sich, einen der zahlreichen Organisatoren von Kanutouren zu kontaktieren. Der Bootsverleih von Helmut Hölzl befindet sich direkt an der Einstiegstelle in Oleumhütte. Von hier startet die Bootwanderung. Es bieten sich viele Alternativen an: Die kürzeste Tour dauert etwa 2,5 Stunden und endet in Oberauerkiel, nach Teisnach benötigt man ca. fünf Stunden, zum Campingplatz nach Schnitzlmühle ungefähr sieben Stunden. Natürlich sind auch Mehrtagestouren möglich. Wer bis nach Regensburg paddeln will, sollte mindestens sieben Tage einplanen.

 

"Bayerisch Kanada"

Der Regen fließt auf einer Länge von 185 km durch den Bayerischen Wald, bevor er schließlich in Regensburg in die Donau mündet. Bis er dort angekommen ist, hat er einen nicht immer leichten Weg hinter sich gebracht. Viele Steine säumen seinen Weg, schauen aus dem Wasser und geben sich durch ein Kräuseln auf der Wasseroberfläche zu erkennen.

In Zwiesel entsteht durch den Zusammenfluss von Großem Regen und Kleinem Regen der Schwarze Regen, der zwischen Regen und Blaibach eine idyllisches, abgelegenes Bayerwald-Flusstal durchfließt. Dieser Abschnitt wird auch „Bayerisch Kanada“ oder „Klein Kanada“ genannt. Gerade in diesem Bereich ist der Schwarze Regen ein wunderschöner und begehrter Wild- und Bootwanderfluss. Hier befinden sich auch zwei Wildwasserpassagen, das Bärenloch und der Gumpenrieder Schwall. Hier besteht auch Helm- und Schwimmwestenpflicht.

 

Bevor es jedoch losgeht, erfolgt eine kurze Einweisung. Von Helmut Hölzl erhält man eine Wassersportwanderkarte. In ihr sind Touren auf verschiedenen Flüssen in Bayern dokumentiert, vor allem aber die Besonderheiten und Tücken, Campingplätze, Wehre, Ein- und Ausstiegstellen gekennzeichnet. Besonders zu beachten sind die Befahrungsregeln. Das betrifft die minimalen Wasserstände, die Höchstanzahl an Mitfahrern pro Boot, das Einhalten der Paddelzeiten zwischen 10 und 18 Uhr sowie das Nichtbetreten von Kiesbänken und Inseln, auf denen Tiere ihre Laich- und Brutplätze haben.

 

Die Einweisung durch Helmut Hölzl umfasst auch die Handhabung der Boote. Beim Canadier lenkt grundsätzlich die Person, die hinten sitzt, mit dem Paddel. Die Boote sind sehr robust und kippstabil. Sie wiegen etwa 40 kg, sind extra breit, verfügen über einen Flachboden und damit wenig Tiefgang. Als Paddel verwendet man beim Canadier ein Stechpaddel, also ein Einblattpaddel mit T-Griff. Man unterscheidet zwischen dem Grundschlag, dem Bogenschlag (ermöglicht ein schnelleres Vorankommen), dem Konterschlag (rückwärtsfahren) und dem J-Schlag, um das Boot in der Spur zu halten.

 

Meditatives Paddeln

Dann kann es losgehen. Am Einstiegplatz lässt man das Boot über eine Schräge ins Wasser gleiten. Wertgegenstände und alles, was nicht nass werden soll, gibt man in einen wasserdichten Beutel. Und schon ist man mittendrin, fühlt sich eins mit dem Fluss, der kaum tiefer als 60 cm ist. Man braucht nicht stark paddeln. Eher um die Richtung zu halten, denn man bewegt sich mit der Strömung voran. Man taucht förmlich ein in die Faszination Bootwandern, in die Geräusche des Wassers, das Zwitschern der Vögel, die herrliche Uferlandschaft. Immer wieder begegnet man anderen Paddlern. Und dennoch behält die Bootwanderung ihren meditativen Charakter. Einsamkeit ist Trumpf, während sich der Fluss durch den Wald schlängelt, abseits jeglicher Zivilisation. Der Bayerische Wald zeigt sich von einer seiner schönsten Seiten entlang des Schwarzen Regens. Fichten, wohin das Auge reicht. Kiesbänke und einzelne größere im Wasser liegende Granitsteine zeugen von der jahrhundertealten Geschichte dieser Kulturlandschaft. Mit der Strömung treiben das Boot und die eigenen Gedanken auf zu neuen Ufern.

 

Am Ziel angekommen zieht man den Canadier an einer der Ausstiegsstellen bequem aus dem Wasser. Wer eine mehrtägige Tour unternimmt, sucht sich jetzt auf einem der Campingplätze sein Nachtquartier. Andernfalls lässt es sich überall gemütlich einkehren oder Kanuverleiher Hölzl holt die Paddler, auf Anruf, an Ort und Stelle ab und bringt sie zum Ausgangspunkt nach Oleumhütte zurück. Dort wartet ein gemütlicher Grillplatz auf die hungrigen und durstigen Bootwanderer.



Quellenangaben

Fotos: Hözl Kanutouren, Stephen Hahn




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