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« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 17.04.2017 von Stephen Hahn | 1742 Klicksteilen auf

Heimat-Musik: Meßnerschläger Sängerinnen

Bei einem "Brautliedsingen" im Jahr 1985 hatten die Schwestern Ilse Oberneder und Margot Stoiber sowie deren Freundin Brigitte Naderhirn ihren ersten öffentlichen Auftritt. Seitdem wirkten sie bei über 800 Veranstaltungen in ihrer bayerischen Heimat und im benachbarten Österreich mit. Im Interview mit WAIDLER.COM erzählt Margot Stoiber von einer mittlerweile über 30-jährigen Leidenschaft für die Volksmusik.

 

Ihre Musikkarriere begann 1985 beim Brautliedsingen. Bitte erzählen Sie von dieser niederbayerischen Tradition. Gibt es sie auch heute noch?

Unsere Gruppe entstand nicht als Familienmusik - unser Vater begleitete uns erst einige Jahre nach Entstehung der Gruppe auf seinem Akkordeon -, sondern bei einem freundschaftlichen Brautliedsingen mit Brigitte Naderhirn, einer Schulfreundin von meiner Schwester, Ilse Oberneder. Beim Brautliedsingen – einem alten niederbayerischen Brauch - wird der Braut am Abend vor ihrer kirchlichen Hochzeit das "Brautlied" gesungen. Unser Vater hat dieses Lied schon in jungen Jahren gemeinsam mit zwei Dorfburschen gesungen. Auch heute singen wir es noch ca. vier- bis fünfmal im Jahr, wenn wir, meist von Angehörigen der Braut, engagiert werden. Die Braut weiß meistens nichts davon und ist total überrascht und gerührt. Im Text heißt es zum Schluss: "Hast du geprüft dein Herz, treibst du damit nicht Scherz, heut ist die letzte Nacht, junge Braut gib acht". Da fließen nicht selten Tränen bei der Braut und vor allem auch bei der Brautmutter.

 

Welche Art von Musik machen Sie, welche Lieder singen Sie?

Bei unserem Repertoire achten wir besonders darauf, dass es natürlich echte volksmusikalische Lieder sind und KEINE "volkstümliche Musik". Neue Lieder lernen wir, indem ich jede Stimme einzeln auf meinem Klavier vorspiele und einübe, bis diese dann dreistimmig gesungen werden können. Meist stammen die Lieder von bayerischen oder österreichischen Mundartdichtern, auch achten wir darauf, dass wir Lieder von unserer Heimat, dem Bayerischen Wald, und nicht vom Gebirge in Oberbayern singen. Es gibt wunderbare volksmusikalische Lieder passend zum gesamten Jahreskreis und es macht uns unheimlich Spaß, diese bei den verschiedensten Veranstaltungen zu singen. Ob Lieder über die vier Jahreszeiten, oder solche mit kirchlichem Bezug, wie Passions-, Marien- oder Adventlieder … in unserem Repertoire können wir unter etwa 200 verschiedenen Liedern auswählen. Wir hoffen, dass wir mit unserem Gesang dazu beitragen können, dass die schönen Texte und Melodien der Lieder nicht in Vergessenheit geraten. In Kirchen singen wir meist a cappella, und bei weltlichen Veranstaltungen begleitet uns seit einem halben Jahr unser neuer Musikant Hans Maier aus Waldkirchen auf seiner sterischen Harmonika. Dr. Veronika Presdzink begleitete uns auf ihrer Harfe bei verschiedenen Passionssingen. Diese Lieder kann man auch auf einer Passions-CD hören.

 

Woher kommt die Liebe zur Musik? Haben Sie eine Gesangsausbildung?

Das musikalische Talent haben wir höchstwahrscheinlich von unserem Vater geerbt, da er seit über 70 Jahren mit seinem Akkordeon bei sehr vielen Veranstaltungen musiziert hat und auch heute noch sehr gut singen kann. Dafür ist er auch mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten und der goldenen Ehrennadel des Musikbundes für Ober- und Niederbayern ausgezeichnet worden. Eine Gesangsausbildung haben wir drei nicht, allerdings singen wir schon seit über dreißig Jahren unter der Leitung von Frau Marlene Kaulmann, erst im Wegscheider Kinderchor und bis heute auch aktiv im Wegscheider Kirchenchor. Frau Kaulmann gab uns als unsere Musiklehrerin anfangs auch immer wertvollen Tipps hinsichtlich der Aussprache und der Gestaltung der Lieder.

 

Woher stammt der Name ‚Meßnerschläger Sängerinnen‘, Frau Stoiber?

Meßnerschlag ist ein Dorf in der Gemeinde Wegscheid und liegt direkt an der Grenze zu Österreich. Als wir vor über 30 Jahren unseren ersten öffentlichen Auftritt hatten und eigentlich noch keinen Namen für unsere Gruppe wussten, hat uns der Sprecher der Veranstaltung einfach als ‚Meßnerschläger Dirndl‘ angekündigt, da meine Schwester Ilse und ich sowie unser Vater, der "Kriag Lois" aus Lacken und die Brigitte aus Meßnerschlag stammten. Brigitte wohnt noch in Meßnerschlag und unser Vater Alois Wintersberger (88 Jahre alt) in Lacken, Ilse ist in Stiermühle bei Wegscheid und ich in Kailing bei Wildenranna verheiratet.

 

Ihre Lieder sind nicht nur live zu hören, sondern auch auf Tonträger erhältlich.

Es gibt von uns eine eigene CD, die wir anlässlich unseres Gewinns des "Zwieseler Fink" 2010 und des 25- jährigen Bestehens unserer Gruppe aufgenommen haben. Es ist eine Doppel-CD, die erste heißt "Boarisch gsunga und gspüt" mit weltlichen Liedern, und die zweite ist eine Weihnachts-CD "Gsunga und gspüt in da staadn Zeit". Wir haben die CD gemeinsam mit den "Woidschratzn", einer wunderbaren Instrumentalgruppe aus dem Wegscheider Raum, aufgenommen.

 

Was steht demnächst an, wo kann man Sie hören? 

Anfang Mai singen wir bei einem Frauendreigesangtreffen in Tamsweg im Salzburger Lungau, außerdem umrahmen wir Maiandachten und sind natürlich auch wieder bei den Volksmusiktagen in Obernzell mit dabei. Am 10. Juni singen wir im österreichischen Peuerbach mit sehr guten Volksmusikgruppen bei einem Hoagartn, im Oktober sind wir eingeladen zu Volksmusikveranstaltungen in Passau, Kumreuth, Mengkofen und nach Ruhstorf zu den Volksmusiktagen. Zu Adventsingen sind wir heuer wieder nach Passau-Niedernburg, Germannsdorf, Röhrnbach, Haidmühle und erstmals auch ins Kloster Weltenburg eingeladen.

 

Vielen Dank für das Gespräch.



Quellenangaben

Fotos: Meßnerschläger Sängerinnen




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