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« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 18.03.2017 von Stephen Hahn | 769 Klicksteilen auf

Heimat-Musik: Schwenkglenks y Los Gringos del Tango

Die Gruppe LOS GRINGOS DEL TANGO wurde 1997 von dem Gitarristen, Komponisten und Perkussionisten Jürgen Schwenkglenks gegründet. Ihre Leidenschaft gilt der Musik Lateinamerikas, besonders den Tangos, Milongas und Valses aus Argentinien, aber auch brasilianische Choros, Sambas und Folklorerhythmen aus diesen beiden Ländern haben sie im Programm. Im Interview mit WAIDLER.COM spricht Jürgen Schwenkglenks über sein musikalisches und persönliches Faible für Lateinamerika.

 

Woher stammt Ihre Affinität zu süd-, lateinamerikanischen Rhythmen? Was unterscheidet diese Musik von europäischer bzw. hat sie ihr eigene Klangformen, Klangkombinationen?

Diese Affinität ist schon in meiner Kindheit entstanden. Ich bin mit viel Musik um mich herum aufgewachsen, weil mein Vater sehr viel Musik gemacht hat, und zwar von Klassik bis hin zu Swing und Tanzmusik. Und da hat sich sehr schnell herauskristallisiert, was mich am meisten anzieht.  Und als ich dann als Jugendlicher mit der Gitarre begonnen habe, war es dann sehr schnell besonders die brasilianische Musik, die mich gepackt hat. In der brasilianischen Musik ist es vor allem der Rhythmus, der viel von dem Flair ausmacht, ansonsten haben durchaus auch europäische und nordamerikanische Stile mit zu der Entwicklung von Choro, Samba oder Bossa Nova beigetragen. Und im argentinischen Tango gibt es ebenfalls sehr deutliche europäische Einflüsse. Das typisch Argentinische entsteht dann vor allem durch die Artikulation, Phrasierung und spezielle Instrumentalbesetzungen und vor allem auch durch die Verwendung des Bandoneóns.

 

Dem breiten Publikum am ehesten bekannt sind Tango und Samba. Welche Stilrichtungen gibt es noch, was unterscheidet sie, was haben sie gemeinsam? Haben Sie einen Favoriten oder ist das stimmungsabhängig?

Brasilien ist sehr groß, und die verschiedenen Regionen haben oft sehr eigene Stile wie Maracatu und Frevo in Recife oder Baiao und Xote im Nordoste. Es würde den Rahmen sprengen, soviel hier aufzuzählen, aber die Vielfalt ist enorm. Allein innerhalb des Samba gibt schon sehr viele regionale Eigenheiten. In Argentinien wird grundsätzlich sehr klar zwischen der Tangokultur, die vor allem in den Metropolen heimisch ist, und der Folklore, die ebenfalls sehr starke regionale Bezüge hat, unterschieden. Populäre Folklorestile sind Chacarera, Zamba, Gato etc. 

 

Spielt die Band bestehendes Liedmaterial nach und / oder Eigenkompositionen? Wie komponiert man als Niederbayer einen Tango?

Der größte Teil unseres Repertoires sind Kompositionen von mir, und der Rest Arrangements, die ich für unsere Besetzung gemacht habe. Als ich damit angefangen habe Tangos zu schreiben, gab es noch einen hörbaren Einfluss von der Musik Astor Piazzollas, die ja zuerst international populärer war als in Argentinien selbst. Zunehmend tiefer einfühlen in den argentinischen klassischen Tango konnte ich mich auf meinen zahlreichen Reisen und durch das regelmäßige Zusammenspielen mit Tangomusikern in Buenos Aires. Zusätzlich tanzen und unterrichten meine Frau (Argentinierin) und ich sehr regelmäßig den argentinischen Tango.

 

Kann eine niederbayerische Seele die lateinamerikanische Leidenschaft spüren bzw. durch Musik transportieren? Braucht es so etwas wie eine "gespaltene" Persönlichkeit im positivsten Sinne?

Eine gespaltene Persönlichkeit braucht es mit Sicherheit nicht, aber eine große Offenheit und Beziehungsfähigkeit. Das sich Einlassen auf diese Kultur ist ein ständiges Vertiefen, die immer wieder neue Erkenntnisse und Erfahrungen mit sich bringt, aber auch gleichzeitig neue Fragen und Lücken aufwirft. Letztendlich ist es bestimmt gut, sich nicht nur mit der Musik, sondern auch mit der Lebensart, Geschichte und Mentalität Argentiniens auseinandergesetzt zu haben.

 

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dem Bayerischen Wald, der Mentalität und Ihrer Musik bzw. können sich beide Temperamente ergänzen?

Ich empfinde deutliche Gemeinsamkeiten zwischen der Mentalität im Bayerischen Wald und in der argentinischen Pampa, wo sich ja auch Lebensumstände ähneln. Auch der starke Bezug zu einer bestimmten Region mit den entsprechenden Dialekten, Volkstänzen und Umgangsformen hat Parallelen. Wenn man die Geschichte des Tangos betrachten, die ja sehr deutlich eine "Großstadtmusik" ist, kann man teilweise sehr klar auch die Bestandteile mitteleuropäischer Musikkulturen herauserkennen.

 

Schwenkglenks y Los Gringos del Tango:

Gegründet 1997 als Trio mit Jürgen Schwenkglenks (Gitarre, Perkussion, Komposition, Arrangement), Gerhard Koschel (Akkordeon, Violoncello) und Oskar Kappelmeyer (Kontrabass). Ein paar Jahre später ersetzte Jochen Rössler (Bass, Klarinette) Oskar Kappelmeyer und kurz darauf kam Gerald Braumandl (Perkussion, Schlagzeug, Tuba) dazu.

Heute spielen die Gringos überwiegend als Quartett. Und immer wieder waren und sind Gastmusiker mit dabei wie Quena Taborda aus Buenos Aires (Bandonéon), Peter Massink (Saxophon), Monika Holzmann (Gesang), Josef Fürpass (Bandoneon), Stefan Metzger (Gesang, Flügelhorn) sowie Tobias Dengler (Drums, Perkussion).

 

Vielen Dank für das Gespräch.



Quellenangaben

Fotos: Jürgen Schwenkglenks




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