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« zurück zur Übersicht | veröffentlicht am 19.02.2017 von Stephen Hahn | 1037 Klicksteilen auf

Heimat-Musik: Flez Orange

Die Combo Flez Orange pflegt ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Stil. Er ist nicht nur eine Mischung aus verschiedenen Musikrichtungen wie Polka, Balkangroove und Klezmer-Musik. Die Konzerte sind auch eine gelungene Mixtur aus buntem Instrumentarium, vielstimmigem Gesang und Anekdoten, die Matthias Klimmer (Klarinette, E-Gitarre, Gesang), Veronika Keglmaier (Geige, Gesang), Stefan Fußeder (Akkordeon, Gesang), Jochen Rössler (Bass, Gesang) und Maximilian Maier (Perkussion, Banjo, Gesang) gekonnt zum Besten geben. WAIDLER.COM standen die Musikerin und ihre vier Spielkameraden Rede und Antwort.

 

Wie entsteht ein neues Stück, ist das ein in Melodie und Rhythmus transformiertes Erlebnis aus der Vergangenheit? Oder eine Realitätsbeschreibung, eine Fantasiereise?

Sowohl als auch. Oft sind es nur Fragmente, die im Ohr herumspuken. Melodiefetzen oder Rhythmen. Die Stücke entstehen oft auch aus Stimmungen heraus, die sich dann in der Musik wiederfinden. Hörgewohnheiten spielen eine große Rolle und die Verbindung bzw. der Bruch mit selbigen ist interessant. Der Ursprung von Flez war und ist Volksmusik, der Pep und die Spielfreude. Ausbildung und Einflüsse anderer Musikrichtungen verschmelzen dann zum typischen Flez-Klang. Jeder von uns hört und macht Musik unterschiedlichster Stilrichtungen: von Rock, Klezmer über Jazz zu Orchester- und traditioneller Blasmusik.

 

Wenn man schreibt, kann man Erlebtes oder Fantasie mehr oder weniger leicht bzw. gekonnt in Worte fassen. Wie fasst man Erlebtes oder Fantasie in Noten? Ist Schmerz ein hoher Ton, Freude ein Dreiklang und Furcht eine Moll-Tonart?

Manche Stücke lehnen sich ein wenig an die Programmmusik um das 19. Jahrhundert an. Geschichten oder Erlebnisse werden teilweise vertont in z. B. Fanny denkt, Barrique, Dandan Oilik, Prinzessin Evi, Herbst. Hier werden Stimmungen vertont, zum Beispiel Langeweile mit schweren Rhythmen, Zerstörung mit Tonkollagen, Trunkenheit und Verwirrung mit Rhythmuswechsel. Das Tempo und die Taktart spielen eine Rolle, ungerade Taktarten wie 7/4-Takt zum Beispiel für orientalische Atmosphäre etc.

 

Wie ist Eure Beziehung zum Bayerischen Wald? Wirkt sich das auf Eure Musik, auf Eure Kompositionen aus und falls ja, wie klingt der Wald?

Heimat, frühe Prägung, gemütlich und vertraut, aber auch rauh und sparsam im Ausdruck. Volksmusik ist oft heimatverbunden, trotz beklagter harter Lebensumstände, im Spannungsfeld von verbohrter Engstirnigkeit und Weitblick, Melancholie und Lebensfreude. Dies findet sich zum Teil schon auch in unseren Stücken, wie viele andere Einflüsse aber auch.

 

Eure Auftritte sind eine Mischung aus Musik, Moderation, ein bisschen Kabarett, Anekdoten ... ist das Konzept oder hat sich das im Laufe der Jahre verselbstständigt?

Mittlerweile gehört es zum Konzept, wobei die Musik immer im Vordergrund stehen muss. Das ist etwas aus der Not entstanden, mittlerweile ist es eine weitere Ausdrucksform und die Möglichkeit, die Musik mit Bildern zu koppeln, die dem Zuhörer seinen ganz individuellen Zugang zu den Liedern ermöglichen kann und soll. Wie Filmmusik.

 

Wie würdet Ihr Eure Musik heute selbst einschätzen, wie bzw. wohin habt Ihr Euch musikalisch in den letzten Jahren entwickelt?

Die Musik von Flez Orange hat sich immer entwickelt und tut es noch, wobei wir uns keine Ziele setzen. Alles was gefällt wird verwendet und verarbeitet. Unsere Musik wird experimenteller. Improvisationen bekommen mehr Gewicht und Leihgaben aus Blues und Rock, auch Jazz, Balkanbeat und Tango etc. finden Einzug in die Kompositionen.

Das Spielen mit den verschiedenen Musikstilen war immer schon Antrieb und Reiz von Flez Orange. Die teils humoristische Verpackung spiegelt den Spaß und die Lust am Musizieren wieder und ist ein wichtiger Bestandteil unserer Konzerte. Wir spielen nur Stücke, über die wir uns selbst immer wieder freuen können.

 

Habt Ihr Angst vor kreativem Stillstand, Blockade?

Einen kreativen Stillstand befürchten wir bei den vielen Ideen in unterschiedlichen Köpfen bisher nicht, auch wenn es oft große logistische und terminliche Herausforderungen sind, bis wir wieder an neuen Stücken arbeiten können, da wir mittlerweile ja aus ganz Bayern kommen - vom Chiemsee, Landshut, Straubing, Passau bis nach Prag bei München.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Flez Orange spielen am 26.02.2017 um 18 Uhr im Café Museum in Passau.



Quellenangaben

Fotos: Flez Orange




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