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Passauer Pfarrer wird neuer Bischof
veröffentlicht von Michael Fritz am 22.03.2010
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Wurzeln in der katholischen Tradition – leben aus dem
evangelischen Geist der Freiheit
Entschlossen will der neu geweihte
alt-katholische Bischof Dr. Matthias Ring mit seiner Kirche den
Herausforderungen der Gegenwart begegnen
Am heutigen Samstag (20. März 2010) wurde der
Passauer und Regensburger Pfarrer Dr. Matthias Ring in der Evangelischen Stadtkirche
in Karlsruhe durch seinen Vorgänger Bischof Joachim Vobbe zum 10ten
Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland
geweiht. Rund 1.000 Menschen, darunter zahlreiche geladene Gäste und
Vertreter aus Religion, Politik und Gesellschaft, machten diesen
Gottesdienst zu einem ökumenischen Fest und gesellschaftlichen Ereignis.

Die Bischöfe aller alt-katholischen Kirchen in
Europa waren fast vollzählig angereist. Ebenfalls anwesend waren
Bischöfe der Anglikanischen Kirche, mit der die Alt-Katholische Kirche
seit 1931 in Kirchengemeinschaft steht. Außerdem nahmen hohe kirchliche
Würdenträger und Geistliche der evangelischen Kirche, der Orthodoxie und
ein römisch-katholischer Weihbischof an der feierlichen Zeremonie teil.
Mit dem Rektor des Abraham Geiger Kollegs, Prof. DDr. Walter Homolka,
war auch ein Vertreter des liberalen Judentums nach Karlsruhe gekommen.
Gläubige aus allen alt-katholischen Gemeinden des deutschen Bistums
hatten sich zusammen mit ihren Geistlichen zur Weihe ihres neuen
Oberhaupts eingefunden, gemeinsam mit zahlreichen Gläubigen aus
alt-katholischen Gemeinden der Niederlande, der Schweiz, Österreichs,
Polens und Tschechiens sowie aus anglikanischen, evangelischen,
freikirchlichen, orthodoxen und römisch-katholischen Gemeinden.
Der alt-katholische Bischof von Haarlem, Dr. Dirk
Schoon, betonte in seiner Predigt, dass es Aufgabe eines Bischofs sei,
»dem Glauben auf eine ansprechende und herausfordernde Art Gestalt zu
geben« und »denen, die keine Stimme haben, die geknickt sind und nur
noch glimmen«, in besonderem Maße Gehör zu verschaffen. Er schilderte
seinen neuen Amtsbruder, den er von zahlreichen persönlichen Begegnungen
gut kennt, als einen bescheidenen Menschen, ausgestattet mit nüchterner
Weisheit, Sachlichkeit und einem gehörigen Maß an Humor und Optimismus.
Ein besonders beeindruckender Moment der feierlichen
Liturgie war die schweigende Handauflegung auf das Haupt des neuen
Bischofs durch alle anwesenden alt-katholischen und die in
Kirchenge-meinschaft stehenden anglikanischen Bischöfe.
»Ist unsere Art Kirche zu sein in Übereinstimmung
mit dem Ursprung?«, das sei die zentrale Frage, die ein Bischof immer
wieder stellen müsse, sagte der Erzbischof von Utrecht, Dr. Joris
Vercammen, der den Reigen der Segensvoten eröffnete, und bat den
Neugeweihten diese in der internationalen alt-katholischen
Bischofskonferenz stets wach zu halten.
Der leitende Bischof der Vereinigten
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD) und Vertreter des
amtierenden Ratsvorsitzenden der EKD, der Landesbischof der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern Dr. Johannes Friedrich, hob in
seinem Segenswort auf die Vereinbarung zwischen Evangelischer und
Alt-Katholischer Kirche in Deutschland über die gegenseitige Einladung
zum Abendmahl von 1985 ab und sagte: »Auch andere Kirchen können sich
daran ein Vorbild nehmen«. Nach diesen Worten brandete spontaner und
langanhaltender Applaus auf.
Der griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland,
Augoustinos, reichte dem Neugeweihten symbolisch »den frischen
Olivenzweig der Gastfreundschaft über den Rhein« (beide Bischöfe
residieren in Bonn).
Prof. DDr. Walter Homolka überbrachte die Grüße und
Segenswünsche von 2 Millionen liberalen Juden. Es sei für ihn eine
Freude, »als Freund bei Freunden zu sein«, und ein Ausdruck besonderer
Verbundenheit mit der alt-katholischen Kirche, dass er am Sabbat an
einer katholischen Bischofsweihe teilnehme.
Sich als kleine Kirche ohne Angst den Fragen der
Zeit zu stellen und aus dem reichen Schatz der 2000 Jahre alten
christliche Botschaft eine überzeugende Antwort auf die Fragen der
Gegenwart zu geben, ohne sich modischen Trends anzubiedern oder
hinterherzulaufen: Das ist eine der Leitlinien des neuen Bischofs Dr.
Matthias Ring. Viel auf Reisen wird er am Anfang sein, denn in den
ersten beiden Jahren will er alle seine Gemeinden deutschlandweit
besuchen. So wird der eigens für die Weihe von dem Gold- und
Kunstschmied Hermann Stadelmeier gestaltete Bischofstab auch zum
symbolischen Wanderstab für einen Hirten, der sich in der katholischen
Tradition verwurzelt weiß und zugleich aus dem evangelischen Geist der
Freiheit lebt. »Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit
gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit« - mit
seinem Leitspruch aus 2 Timotheus 1,7 im Herzen will sich der neue
Bischof mutig und unaufgeregt den Herausforderungen seines neuen Amtes
stellen.
»Sie haben einen Bischof gewählt und keinen
Messias«, meinte der neugeweihte Bischof Dr. Matthias Ring am Ende des
Gottesdienstes, und bat darum: »Nehmen Sie mich als Menschen, auch wenn
ich Ihnen in Mitra und mit Bischofsstab gegenübertrete«.
[Quelle: www.alt-katholisch.de]
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